Montag, 30. Mai 2016

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Hochwasser Mobile Schutzwände sollen erstmals Atomkraftwerk Krümmel sichern

Kraftwerk mit Elbblick: Das AKW Krümmel bei Hamburg

Die Mitarbeiter des Atomkraftwerks Krümmel bei Hamburg bereiten sich auf eine Ausnahmesituation vor. Wenn die Elbe Anfang nächster Woche wohl einen Rekordpegel erreicht, müssen sie die Anlage erstmals mit mobilen Schutzwänden sichern. Betreiber Vattenfall sieht sich gerüstet.

Hamburg - Die Elbe-Rekordflut macht besondere Maßnahmen zum Schutz des abgeschalteten Atomkraftwerks Krümmel (Schleswig-Holstein) erforderlich. Die Belegschaft sei darauf vorbereitet, erstmals in der Geschichte des Kraftwerks bei Hochwasser die Fluttore zu schließen, sagte ein Sprecher des Betreibers Vattenfall gegenüber manager magazin online. Zudem stehen mobile Schutzwände ("Dammtafeln") bereit, um das Kraftwerk vom Wasser abzuschotten.

"Krümmel verfügt über einen speziellen und umfassenden Hochwasserschutz und ist bestens für alle absehbaren Pegelstände gerüstet", sagte der Vattenfall-Sprecher. "Alle wesentlichen Teile des Kernkraftwerks bleiben dank unserer Vorsorge- und Sicherheitsmaßnahmen trocken und sind geschützt." Die schleswig-holsteinische Atomaufsicht steht mit Vattenfall bereits wegen des Hochwassers in engem Kontakt, wie das Kieler Umweltministerium manager magazin online mitteilte.

Die Anlage in Krümmel ist trotz der Stilllegung auf eine verlässliche Stromversorgung angewiesen, um verbrauchte Brennelemente zu kühlen. Nach Angaben der Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt" lagerten zum Jahreswechsel noch etwa 1000 Brennelemente in Abklingbecken.

Für Montag rechnen Experten mit einem Rekordpegel

Die Maßnahmen werden erforderlich, weil die Elbe zwischen Lauenburg und Geesthacht offiziellen Abschätzungen zufolge am Montag einen Rekordstand erreichen soll. Danach schwillt die Flutwelle Experten zufolge weiter an.

Ohne die besonderen Maßnahmen würde das Gelände ab einem Stand von 8,50 Meter geflutet. Um genügend Zeit für die Schutzmaßnahmen zu haben, müssen die Kraftwerksmitarbeiter die Fluttore laut Vattenfall ab einem Pegelstand von 7,80 Metern in Krümmel schließen. Ab 8,20 Meter erreichten sie den offiziellen Schutzbestimmungen zufolge die mobilen Wände.

Für Dienstag rechnet das Schleswig-Holsteinische Umweltministerium mit einem Stand in Krümmel von etwa 8,35 Metern, Tendenz steigend. Das geht aus einer E-Mail des Ministeriums an manager magazin online und Angaben der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes hervor. Laut Ministerium wird der Wasserstand in Krümmel etwa zwei Meter unter dem Pegel Hohnstorf liegen, für den die Bundesbehörde einen Rekordstand von 10,35 Metern berechnet hat.

Deichbruch auf anderer Elbseite soll das Schlimmste verhindern

Zuletzt kam das Wasser dem Atomkraftwerk vor gut zwei Jahren nahe. Damals erreichte der Wasserstand "nur" etwa sieben Meter.

"Die Vorsorgemaßnahmen sind im Betriebsreglement fest verankert und genau beschrieben", heißt es im Umweltministerium. Nach dem Reaktorunglück von Fukushima hielt die Reaktorsicherheitskommission des Bundes keine weitergehenden Maßnahmen für erforderlich.

Die Schutzmaßnahmen bieten laut Vattenfall Sicherheit bis zu einem Wasserstand von 9,70 Meter in Krümmel. Sollte das Wasser weiter steigen, droht dem Kraftwerk laut Vattenfall dennoch keine Überflutung. Dann würden die Deiche auf der anderen Elbseite brechen - und der Fluss statt des Atomkraftwerks den gesamten Landstrich südlich des Stroms fluten.

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