Samstag, 17. November 2018

Kolumne: Grenzgänger Strammer Rechtsausleger

Hans-Olaf Henkel: Tiraden gegen "Altparteien" und "Gutmenschen"
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Hans-Olaf Henkel: Tiraden gegen "Altparteien" und "Gutmenschen"

Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel gilt - neben Bernd Lucke - als das seriöse Gesicht der AfD. Dabei hat sich der ehemalige Top-Manager längst zum gewöhnlichen, durch Ressentiments gesteuerten Rechtsausleger entwickelt.

Hans-Olaf Henkel ist das prominenteste Feigenblatt der Alternative für Deutschland (AfD). Sein Job: der Welt weismachen, dass seine Partei seriös, sauber und bloß nicht rechtspopulistisch sei. Durchaus mit Erfolg, wie die Debatte um eine Annäherung zwischen der Union und der AfD zeigt. Henkel können sich einige Unionspolitiker im Gespräch und vor allem am Tisch mit Volker Kauder oder Angela Merkel vorstellen. Henkel macht einen koalitionsfähigen Eindruck.

Er zehrt von früheren Zeiten, als er noch ein gern gesehener Gast in den politischen Führungsetagen war, der ehemalige IBM-Manager, der als BDI-Präsident das prominente Gesicht des unternehmerfreundlichen Wirtschaftsliberalismus war.

Ein Mann, der Weltläufigkeit und Noblesse ausstrahlte, und das nicht nur, weil er mit Fidel Castro eine Zigarre rauchte, sondern weil er sich auch noch für Amnesty International engagierte. Auch heute ist er noch Mitglied. Ein Grenzgänger, der sich zwar in Wut reden konnte, der aber nie seinen moralischen Kompass aus den Augen verlor. Ein Gentleman, der oft anderer Meinung war, der aber nie den breiten Konsensteppich geteilter Werte verließ.

Das war einmal.

Heute ist Henkel ein gewöhnlicher Rechtsausleger, der gegen "Altparteien" wettert, gegen "politische Korrektheit" sowieso, der überall "Gutmenschen" am Werk sieht und dem Islam pauschal und undifferenziert unterstellt, mit Demokratie unvereinbar zu sein. Noch immer mögen seine Manieren vornehm sein, erst recht ist ihm abzunehmen, dass er sich in Gesellschaft ordinärer Rechtskrakeeler irgendwie unwohl fühlt. In der Sache aber, ja in der Sache unterscheidet er sich kaum noch von ihnen.

Zeit, nach bräunlichen Flecken auf der eigentlich weißen Weste Hans-Olaf Henkels zu suchen.

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