Samstag, 17. November 2018

Kolumne: Grenzgänger Strammer Rechtsausleger

Hans-Olaf Henkel: Tiraden gegen "Altparteien" und "Gutmenschen"
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Hans-Olaf Henkel: Tiraden gegen "Altparteien" und "Gutmenschen"

2. Teil: Die perfide Strategie der AfD

Henkel ist nicht erst mit seinen 74 Jahren zum Rechtsausleger geworden. Schon seine an sich harmlose Jazz-Kolumne in der angeblich libertären Rechts-Postille "Eigentümlich frei" musste stutzig machen. Das Magazin ist eine Plattform für all jene, die den Untergang des Abendlandes durch EU-Politik, Gender Mainstreaming und den Islam prophezeien.

Herausgeber und Chefredakteur ist ein in der Szene einschlägig bekannter Rechtspublizist, André Lichtschlag, der - welch Überraschung -, als Herausgeber auch für Akif Pirinçcis homophoben und ordinären Rundumschlag "Deutschland von Sinnen. Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer" im Manuscriptum-Verlag verantwortlich zeichnet. Nicht weiter verwunderlich, dass Pirinçci ebenfalls Autor bei "Eigentümlich frei" ist. Nicht weiter verwunderlich, dass Lichtschlag auch Autor der "Jungen Freiheit" ist.

Henkel schrieb zudem für "Freie Welt", ein ebenfalls rechtes Magazin des schlagkräftigen, unappetitlichen Netzwerkes "Zivile Koalition" der Familie von Storch, die gegen Schwule, Abtreibung und Gender Mainstreaming wettert. Herausgeber der "Freie Welt" ist Sven von Storch, der Ehemann von Beatrix von Storch, die - hier schließt sich erneut der Kreis -, mit Henkel auf der AfD-Fahrkarte ins EU-Parlament gezogen ist. Schon erstaunlich, wie und wo sich die Netzwerker der "Neuen Rechte" in Deutschland wieder zusammenfinden.

Eines muss man festhalten: Henkel arbeitet nun mit solchen Leuten wie Beatrix von Storch zusammen. Sein Bemühen um Distanz ist vor diesem Hintergrund nicht mehr als ein durchsichtiges Manöver, gemeinsam mit AfD-Chef Bernd Lucke wählbar zu erscheinen auch für jene AfD-Sympathisanten, die vornehmlich über die Euro-Kritik zur Partei stoßen.

Henkel ist deshalb peinlich genau darauf bedacht, niemals von seinem Sprechzettel als Chef-Euro-Kritiker der AfD abzuweichen: Homophobie gehört nicht zu seinen Lieblingsbaustellen. Dennoch, ungeniert sucht er die Nähe zu Schwulenhassern und Ausländerfeinden und begibt sich damit in die Niederungen, über die er eigentlich schweben will, die ihn aber doch merklich erden.

Vor allem an der "Zivilen Koalition" zeigt sich die perfide Strategie der AfD, Henkels und seines Parteichefs Bernd Lucke, sich einerseits gegen Rechts abzugrenzen, andererseits aber mit den rechten Meinungsführern an weiteren Netzwerken zu weben: Noch im Oktober 2013 behauptete Lucke in der ARD, die "Freie Welt" hänge nicht mit der AfD zusammen. Merkwürdig, erst recht im Nachhinein: Nur wenige Wochen später hievte Lucke die Vordenkerin der "Zivilen Koalition", Beatrix von Storch, auf die EU-Liste seiner Partei. Angeblich gegen seine eigenen Bedenken. Wer das noch glaubt, ist wirklich naiv.

Henkels Taktik funktioniert ähnlich.

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