Dienstag, 28. Juni 2016

Euro-Krise "Es wird Bankpleiten geben - auch in Deutschland"

Frankfurter Bankentürme: Bruegel-Chef Wolff rechnet mit Bankpleiten

Ist die Euro-Krise überstanden? Noch lange nicht, warnt Guntram Wolff, Chef des Thinktanks Bruegel. Der Banktest der EZB werde viele schwarze Schafe aufdecken. Er rechnet mit Pleiten in Deutschland - für die letztlich auch die Steuerzahler geradestehen müssen.

mm: Herr Wolff, in der öffentlichen Wahrnehmung ist die Euro-Krise bereits abgehakt. Griechenland wird einen Primärüberschuss erwirtschaften, Irland und Spanien verabschieden sich aus dem Rettungsschirm, 2014 soll die Wirtschaft der Euro-Zone wieder wachsen. Ist das Schlimmste tatsächlich vorbei?

Wolff: Richtig, die Lage ist wesentlich besser als noch vor einem Jahr, besonders in Irland. Aber: Wir sind noch lange nicht raus aus der Krise. Es gibt weiterhin massive Probleme, insbesondere das viel zu schwache Wirtschaftswachstum und die enorm hohe Arbeitslosigkeit. Das größte Risiko besteht darin, dass die Euro-Zone in eine Deflation mit schwacher Nachfrage und kaum Beschäftigungsimpulsen abrutscht. Auch die Schuldenlast der Krisenländer könnte dadurch weiter steigen. In ein bis zwei Jahren hätten wir dann womöglich größere Schwierigkeiten als je zuvor.

mm: Der Bankensektor gilt als einer der größten Krisenherde in Europa. Wie wichtig ist der Bilanztest der Europäischen Zentralbank, um Risiken bei den Geldhäusern aufzudecken?

Wolff: Dieser Bilanztest ist absolut zentral für das Wiederherstellen des Vertrauens in das europäische Bankensystem. Es bestehen immer noch erhebliche Zweifel des Marktes an den Banken. Die Marktbewertungen liegen weit unter den Buchwerten und die Risikoprämien sind sehr hoch. Die Finanzmärkte rechnen also damit, dass faule Kredite in erheblichem Umfang in den Büchern stecken. Mit einem harten Bilanztest könnte die Europäische Zentralbank die Probleme aufdecken und angehen.

mm: Was passiert, wenn unterkapitalisierte Banken auffliegen?

Wolff: Der erste Schritt wäre eine Erhöhung des Eigenkapitals durch die Banken selbst. Das betrifft alle Institute, die zwar genügend Eigenkapital haben, um zu überleben, aber weniger als die Aufsicht vorschreibt.

mm: Und wenn das nicht ausreicht?

Wolff: Banken, die größere Probleme haben, müssen sich über ihre Gläubiger rekapitalisieren. An dieser Stelle müssen die Aufseher eine schwierige Entscheidung fällen: Zwingen sie die Banken dazu, ihre Gläubiger an den Verlusten zu beteiligen oder nehmen sie Steuergeld in die Hand? Grundsätzlich sollten Steuermittel nur in absoluten Ausnahmefällen genutzt werden. Aber es ist auch klar, dass die Refinanzierungkosten für alle anderen Banken steigen könnten, wenn Gläubiger gezwungen werden, sich zu beteiligen. Das könnte den Bankensektor in eine systemische Krise stürzen.

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