Dienstag, 11. Dezember 2018

GfK-Umfrage Deutsche so kauffreudig wie seit sechs Jahren nicht

Fußgängerzone in Köln: Deutsche Bürger in Kauflaune

Bei den Deutschen sitzt das Geld momentan locker, sagen die Konsumforscher der GfK. Sparen sei so unbeliebt wie lange nicht. Grund seien niedrige Zinsen und die Aussicht auf höhere Löhne. Selbst die Flutkatastrophe könnte sich mittelfristig positiv auswirken.

Nürnberg - Die Aussicht auf kräftig steigende Gehälter bringt die Kauflaune der deutschen Verbraucher auf den höchsten Stand seit fast sechs Jahren. Der stabile Arbeitsmarkt in der Bundesrepublik und die guten Tarifabschlüsse der letzten Zeit stimmten die Bürger optimistisch, erklärte das Marktforschungsunternehmen GfK am Mittwoch in Nürnberg. Dies werde sich im Portemonnaie bemerkbar machen - auch weil die Inflation im Augenblick relativ niedrig sei, sagte GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl.

Insgesamt kletterte der Konsumklimaindex für Juli mit 6,8 Punkten auf den höchsten Stand seit September 2007. Das Konsumlima kommt damit immer weiter in Reichweite des Rekordhochs, das im Juli 2007 bei 8,4 Punkten erzielt wurde.

Gesunken ist im Juni hingegen die von der GFK ermittelte Anschaffungsneigung. Der Rückschlag falle aber "sehr bescheiden" aus, hieß es in der Mitteilung. Der entsprechende Unterindikator des Geschäftsklimas liege mit 36,5 Punkten weiter auf einem "sehr hohen Niveau". Denn Sparen ist momentan denkbar unbeliebt: "Die Verbraucher halten es derzeit überhaupt nicht für attraktiv, Geld auf die hohe Kante zu legen, weil die Zinsen historisch niedrig sind", erläutert Bürkl.

Entwicklung im Ausland hemmt die Zuversicht

Nicht zuletzt die jüngste Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) habe für einen weiteren Dämpfer bei der Sparneigung gesorgt, sagte Bürkl. Die EZB hatte Anfang Mai den Leitzins in der Eurozone auf ein neues Rekordtief bei 0,5 Prozent gesenkt.

Die Zuversicht der Bürger in die Entwicklung der Konjunktur steige weiter an und liege leicht über dem langfristigen Durchschnitt, werd aber durch die Entwicklung im Ausland gehemmt, erklärte die GfK. Schließlich befänden sich immer noch eine Reihe von EU-Staaten in einer Rezession.

Die Jahrhundertflut in Teilen Süddeutschlands und im Osten der Bundesrepublik zeigte nach Einschätzung des GfK-Experten Rolf Bürkl bisher noch keine Auswirkungen auf die Kauflaune. Die Erfahrungen der vorangegangenen großen Flutkatastrophe im Jahr 2002 hätten aber gezeigt, dass kurzfristig mit einem leichten Dämpfer bei der Kauflaune zu rechnen sei. "Allerdings kann die Beseitigung der Flutschäden in den betroffenen Gebieten mittel- und längerfristig auch als ein kleines Konjunkturprogramm wirken", sagte Bürkl.

krk/dpa/rtr

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