Freitag, 20. Juli 2018

Überschuss im Halbjahr Krankenkassen erzielen Milliardenplus

Der anhaltende Beschäftigungsboom spült den Gesetzlichen Krankenversicherern viel Geld in die Kassen

Die Gesetzlichen Krankenkassen jammern sich zwar gerne krank - über das erste Halbjahr sollten sie aber nicht laut klagen: Laut einem Bericht verbuchten sie einen Überschuss von 1,2 Milliarden Euro. Das dürfte eine unangenehme Diskussion weiter anheizen.

Berlin - Die gesetzlichen Krankenkassen haben nach einem Pressebericht im ersten Halbjahr einen Überschuss von mehr als 1,2 Milliarden Euro erzielt. Damit wären die Rücklagen im Gesundheitssystem bei Gesundheitsfonds und Krankenkassen Ende Juni auf 29 Milliarden Euro gestiegen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Berechnungen der Kassenverbände.

Verglichen mit dem ersten Quartal, stieg der Überschuss der Kassen demnach um 50 Prozent. Dennoch hat er sich insgesamt im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum halbiert.

Trotz des Rückgangs im Vergleich zum Vorjahr sind die Gesetzlichen Krankenversicherer finanziell derzeit in guter Verfassung. Dank des anhaltenden Beschäftigungsbooms und dadurch bedingter Beitragsschwemme sitzen gesetzlichen Kassen und der Gesundheitsfonds als Beitragssammel- und Geldverteilstelle auf einem dicken Finanzpolster:

Die solide Finanzlage könnte einer für die Kassen unangenehmen Diskussion neue Nahrung geben. In letzter Zeit wurden gerade die gesetzlichen Krankenkassen wegen "Rosinenpickens" heftig kritisiert. Denn bei vielen Kassen vermuten Experten Taktiken, die man gerade bei den Gesetzlichen Krankenversicherern zuletzt erwarten würde: Risikoabwägung nach dem Motto "Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen".

Abwimmeln und Vergraulen

Maximilian Gaßner, Präsident des Bundesversicherungsamtes (BVA), spricht unverblümt Klartext: "Solche Verhaltensweisen sind vollkommen inakzeptabel, da sie gegen das Diskriminierungsverbot und das Solidaritätsprinzip verstoßen."

Mit den "Guten" sind Versicherte gemeint, die gesund sind und ein gutes Einkommen haben, die, die Krankenkasse nichts oder wenig kosten, umgekehrt aber ihnen hohe Beitragseinnahmen bescheren. Zu den "Schlechten" zählen dagegen vor allem chronisch Kranke, Arme und Alte: Sie bringen meist wenig, schlagen aber mit hohen Ausgaben zu Buche.

Manche Kasse würde diese Kunden am liebsten loswerden: durch Abwimmeln und Vergraulen. Versuche dazu gab es, wie das BVA in seinem jüngsten Prüfbericht feststellt. Es kritisiert die systematische "Risikoselektion" bei der Anwerbung von Versicherten. Dass es "zielgruppenspezifische Werbeaktivitäten" für eine "ausgewogene Versichertenstruktur" gibt, daraus wird in der Branche kein Hehl gemacht. Risikoselektion ist gemeinhin das Merkmal der privaten Krankenversicherung.

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