Sonntag, 29. Mai 2016

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"Energie-Airbus" Hollande-Vorschlag verwirrt deutsche Energiebranche

Protest gegen Atomkraftwerk in Südfrankreich: Präsident François Hollande will die deutsche und die französische Energiewirtschaft besser verzahnen
REUTERS/ Greenpeace
Protest gegen Atomkraftwerk in Südfrankreich: Präsident François Hollande will die deutsche und die französische Energiewirtschaft besser verzahnen

Das Vorbild soll Airbus sein, doch es herrscht Skepsis: François Hollandes Vorschlag für einen deutsch-französischen Energiekonzern stößt in der Branche auf Unverständnis. Aufgeschlossen reagiert immerhin der Eigentümer eines großen Versorgers.

Hamburg - Einen Tag nach François Hollandes Vorschlag für einen deutsch-französischen Energiekonzern rätselt die deutsche Strombranche darüber, was oder wen er wohl gemeint habe. "Wir haben noch keine Übersetzung seiner Rede", heißt es schulterzuckend bei einem Unternehmen. "Vielleicht brauchen die Hilfe beim Bau von Offshore-Windparks?"

Offiziell mag die Sache bei den Versorgern niemand kommentieren. Auch die Bundesregierung hatte sich in einer ersten Reaktion "überrascht" gezeigt. Man warte nun gespannt, was Hollande denn eigentlich plane. Spätestens am 19. Februar könnte es nähere Informationen über Hollandes Ideen geben - dann treffen sich die deutschen und französischen Minister zu einer gemeinsamen Kabinettssitzung.

Hollande hatte am Dienstag unter anderem ein gemeinsames französisch-deutsches Unternehmen vorgeschlagen, um die Energiewende voranzutreiben. Als Vorbild nannte er den europäischen Flugzeugbauer Airbus. Details nannte er nicht.

Hollande rudert leicht zurück

Aus dem Umfeld Hollandes verlautete am Mittwoch jedoch, der Präsident denke nicht an eine große Fusion zwischen Energiekonzernen. Vielmehr gehe es um Joint-Ventures und Allianzen - vor allem im Bereich erneuerbare Energie und Stromnetze, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßt nach Aussage seines Sprechers die Initiative Hollandes "ganz außerordentlich". Der Minister habe ein Interesse an einer möglichst engen Zusammenarbeit auch im Bereich der Energie. Die genaue Ausgestaltung werde intensiv beraten.

Hollande habe aber keine 1:1-Übertragung des Airbus-Modells auf andere Branchen angeregt. Die Struktur der deutschen Energiewirtschaft etwa sei kaum vergleichbar mit der Frankreichs.

Zustimmung aus Baden-Württemberg

Zustimmung zu Hollandes Plänen für eine Kooperation im Bereich der erneuerbaren Energien kam von den Eigentümern des Baden-Württembergischen Versorgers EnBW Börsen-Chart zeigen. "Eine enge Zusammenarbeit mit Frankreich, dessen Energieversorgung ja noch vor allem auf Kernenergie beruht, ist durchaus zukunftsweisend, auch mit Blick auf Europa", sagte Baden-Württembergs Energieminister Franz Untersteller (Grüne) gegenüber manager magazin online.

Das Bundesland hält 46,75 Prozent an EnBW, Untersteller sitzt im EnBW-Aufsichtsrat. Bis 2010 hatte der EnBW-Anteil dem französischen Energiekonzern EDF gehört. Dann kaufte Baden-Württemberg den Anteil unter höchst umstrittenen Umständen zurück. Kritiker bemängeln einen viel zu hohen Kaufpreis und ein intransparentes Verfahren, weshalb das Land von EDF Geld zurückfordert.

Wie eine neuerliche Kooperation aussehen könne, bleibe abzuwarten, sagte Untersteller. "Vorstellbar ist ja grenzüberschreitend auch die Intensivierung der Zusammenarbeit bei der Speicherforschung, dem Ausbau der Netze oder, Stichwort Fessenheim, bei der Stilllegung von Atomkraftwerken."

nis/dpa/rtr

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