Montag, 29. August 2016

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FDP stellt Unternehmern die Gretchenfrage FDP ruft Wirtschaft zu Hilfe

Ziemlich allein: Der FDP-Chef Christian Lindner, hier im Düsseldorfer Landtag, wirbt um Unterstützung der Wirtschaft.

Kredite drücken, die Umfragen sind mies: Die FDP braucht dringend Geld und Aufmerksamkeit. Auf zwei Treffen bis Ende des Jahres sollen nun Unternehmer und Top-Manager die Partei wiederbeleben. Nach mm-Informationen will die Führung ihnen weit entgegenkommen.

Hamburg - Die FDP kämpft mit neuen Zugeständnissen um ihre alte Kernklientel. Die Liberalen um Parteichef Christian Lindner wollen nach Recherchen von manager magazin ein neues parteiinternes Netzwerk schaffen, das vor allem Unternehmer und Spitzenmanager enger an die Partei binden soll. Demnach soll es die FDP mit programmatischen Ideen und bestenfalls auch neuem Führungspersonal sowie Spenden versorgen.

An zwei Terminen (15. November und 2. Dezember) werden die konstituierenden Treffen für das Gremium mit dem Arbeitstitel "Netzwerk Liberale Agenda 2025" stattfinden, zu denen jeweils rund 20 Unternehmer, Manager, Wissenschaftler und auch einige Kreative aus dem gesamten Bundesgebiet geladen wurden.

"Das sind alles Menschen, die sich wieder eine starke liberale Partei in Deutschland wünschen", bestätigte Marie-Christine Ostermann, FDP-Schatzmeisterin in Nordrhein-Westfalen und im Hauptberuf geschäftsführende Gesellschafterin des Hammer Lebensmittelgroßhändlers Rullko, die Pläne. Namen von Teilnehmern wollte sie vor den Treffen nicht nennen, da einige von ihnen womöglich anonym bleiben wollen. Die Partei, so Ostermann, erhoffe sich von den Externen konstruktive Kritik zum aktuellen Programm sowie "Ideen und Impulsgebung für neue inhaltliche Konzepte sowie die Außendarstellung der Partei".

Kampf um Spenden verstärkt

Ostermann, seit ihrer Zeit als Vorsitzende des Verbandes "Junge Unternehmer" im Mittelstand bestens vernetzt, sprach im Vorfeld gezielt Interessenten an und organisierte die nun anberaumten Treffen in Düsseldorf und Dortmund für Parteichef Christian Lindner. Erst 2013 war sie in die FDP eingetreten und im vergangenen April direkt zur Schatzmeisterin aufgestiegen.

Ihr Vorstoß ist ein Versuch, der liberalen Partei trotz zuletzt desaströser Wahlergebnisse zumindest die Kernklientel und damit die Chance auf ein Überleben zu sichern. Derzeit bemühen sich praktisch alle Parteien um eine größere Nähe zur Wirtschaft, die traditionell eng mit der FDP verknüpft war. Die SPD prüft den Aufbau eines Wirtschaftsrats, die Grünen geben sich in Baden-Württemberg und Hessen besonders wirtschaftsfreundlich, die euro-kritische Alternative für Deutschland (AfD) konnte jüngst zwei prominente Mittelständler anwerben.

Die FDP muss außer um Aufmerksamkeit auch verstärkt um Spenden kämpfen. Der Absturz bei den letzten Bundestags-, Europa- und Landtagswahlen haben ihre einst üppig fließende staatliche Parteienfinanzierung empfindlich dezimiert - in nur 6 von 16 Länderparlamenten ist die FDP noch vertreten. Bei den Wahlen zur Hamburger Bürgerschaft im Februar wird es erneut eng: Die jüngste Umfrage sieht die Partei bei nur zwei Prozent. Allein das schlechte Ergebnis (3,4 Prozent) bei der Europawahl im Mai riss ein nicht einkalkuliertes Loch von rund 300.000 Euro ins Budget, wie Bundesschatzmeister Hermann Otto Solms auf Anfrage mitteilte. Insgesamt habe die Partei ihre Kosten im Zuge des Absturzes um etwa 40 Prozent senken müssen.

Während Großspenden über 50.000 Euro dieses Jahr bislang ausblieben (2013 hatten etwa der Autokonzern BMW oder der Verband der Chemischen Industrie der FDP noch jeweils rund 70.000 Euro gespendet) konnte die FDP laut Solms jedoch deutlich mehr Einzelspenden "in geringer Höhe" verbuchen. Über 1 Million Euro habe er bereits eingenommen. "Ein gutes Ergebnis trotz unserer derzeit geringen Sichtbarkeit", sagt Solms. Die FDP hatte sich demnach gegenüber ihren Gläubigern verpflichtet, in diesem Jahr mindestens 1 Million Euro Überschuss zu erzielen.

Für die Finanzierung von aufwändigen Wahlkampagnen braucht die Partei also dringend Geld. Da liegt es nahe, sich wieder stärker der Wirtschaft zuzuwenden. "Bevor wir um neue Spenden bitten, müssen wir erst wieder etwas Überzeugendes zu bieten haben", sagt Marie-Christine Ostermann. Dieses Angebot solle unter anderem im Rahmen des neuen Netzwerks erarbeitet werden.

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