Mittwoch, 29. Juni 2016

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FDP Lieber liberal

Wahlkampf für die FDP: Christian Lindners neue Helfer
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DPA

Parteichef Lindner wirbt um die Wirtschaft. Sein neuester Coup: Thomas Sattelberger.

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner (36) hat um sich sehr viele junge Leute geschart, vom Bundesgeschäftsführer Marco Buschmann (38) bis zum NRW-Generalsekretär Johannes Vogel (33) -man kennt sich aus gemeinsamen Zeiten bei den Jungen Liberalen. Doch wer dem Team das Etikett "Boy Group" aufklebt, erlebt, dass Lindners Stimme schrill wird. Diesen Ausdruck mag er gar nicht.

Was Wunder: Er will die Partei für Seiteneinsteiger aus der Wirtschaft öffnen, wie Lencke Steiner (30), Geschäftsführerin im elterlichen Unternehmen und erfolgreiche FDP-Spitzenkandidatin in Bremen. Auch Granden wie Ex-BASF-Chef Jürgen Hambrecht (69), Hella-Chef Jürgen Behrend (66), Hans Georg Näder (54), Chef und Inhaber der Otto-Bock-Gruppe, und Michael Rogowski (76), ehemaliger Voith- und BDI-Chef, bekennen sich inzwischen zur FDP - und haben damit den Altersdurchschnitt der Boy Group spürbar angehoben.

Viele von ihnen kommen, weil sie die Marktwirtschaft von einer zunehmend sozialdemokratisierten Union vernachlässigt sehen.

Nun hat Lindner einen weiteren Wirtschaftspromi ins liberale Lager gezogen: Thomas Sattelberger (66), der beim Autozulieferer Conti Börsen-Chart zeigen und später bei der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen zu Deutschlands bekanntestem Personalvorstand wurde, wird künftig für die FDP wirken.

Deutschlands bekanntester Personalvorstand wirkt künftig für die FDP

Und dies nicht nur nebenher: Sattelberger soll der FDP bei den Themen Arbeitsmarkt, Innovation und Bildung Profil verschaffen. Auch ein späteres Engagement als Mandatsträger sei denkbar, heißt es in FDP-Kreisen. Weder die Partei noch Sattelberger wollten Stellung nehmen. Bei der nächsten Bundestagswahl im September 2017 will die FDP wieder ins Parlament einziehen, derzeit liegt sie in Umfragen bei 4 Prozent.

Sattelberger hat zahlreiche Aufsichts- und Beiratsämter inne, sich aber auch publizistisch als Reformer der deutschen Wirtschaft einen Namen gemacht. Lindner sagt, er sehe die Manager und Unternehmer nicht primär als Helfer beim Stimmenfang. "Aber sie geben uns Substanz, sie bereichern uns."

Zu den Alten stoßen auch Jungunternehmer aus der Start-up-Szene, in der die FDP besonders viele Freunde hat. Verena Pausder (36) etwa, Gründerin und Chefin des Kinder- App-Produzenten Fox & Sheep, gehört zu dieser liberalen Klientel. "In unserer Szene denken die Menschen freiheitlich. Sie haben wenig Ansprüche an den Staat." Außerdem nehme sich die FDP des Themas Digitalisierung an.

Am Dreikönigstag und in den darauffolgenden Landtagswahlkämpfen in Rheinland-Pfalz und Baden- Württemberg wird die FDP aber vor allem versuchen, die klassische Klientel zu mobilisieren. Ein Hauptthema: die Reform der Erbschaftsteuer, wie sie die große Koalition gerade - veranlasst durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts - auf den Weg bringt.

Unter den zahllosen Mittelständlern im Ländle grassiert die Angst, bei der Firmenübergabe an die nächste Generation vom Fiskus abkassiert zu werden. Der Ärger darüber soll die FDP beflügeln und sie möglichst in die Regierung führen. Nichts brauchen die Liberalen dringender als eine neue Machtbasis - auch wenn sie dafür ein ganz altes Thema nutzen.


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