Dienstag, 6. Dezember 2016

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Eicke Weber will in Stuttgarter Landtag FDP wirbt den Grünen führenden deutschen Solarwissenschaftler ab

Pfeiler an Pfeiler mit der großen Politik: Eicke Weber (l), Leiter des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg, erklärt im Hause des Instituts, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (r, SPD) an einem Konzentratormodul die Funktionsweise einer Konzentrator-Photovoltaikanlage. Das Bild ist zwar schon sieben Jahre alt, sonst hat sich aber nicht allzu viel geändert.

Der vielfach ausgezeichnete Chef des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), Eicke Weber, wechselt in die Politik. Für die FDP will er um den Einzug in den Landtag Baden-Württembergs kämpfen und hat sich dazu am Montagabend als Kandidat für den Wahlkreis Freiburg-West aufstellen lassen.

Die Verpflichtung Webers ist ein kleiner Coup der Liberalen gegenüber den Grünen, ihrem schärfsten politischen Gegner. Weber führt im ISE knapp 1300 Beschäftigte und damit das größte Solarforschungs-Instituts Europas. Der 65-jährige gilt als einer der weltweit kundigsten Befürworter der Energiewende und des Ausbaus regenerativer Energien, eines der Kernthemen der Grünen. Vor seinem Einstieg beim ISE war der Physiker lange Jahre Professor an der US-Universität Berkeley. "Mein konkretes Interesse an einem Einstieg in die Politik hat ihren Ursprung in einer großen Enttäuschung nach der vergangenen Bundestagswahl, als die Grünen sich weigerten, in eine schwarz-grüne Koalition zu gehen", sagte Weber manager-magazin.de.

Eicke Weber, Leiter des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme in Freiburg, hier pikanterweise in einer Aufnahme vom Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen in Freiburg im Jahr 2010.
FDP-Chef Christian Lindner versucht gerade, mit Hilfe von Quereinsteigern die Partei wieder interessanter zu machen und bei den nächsten Landtagswahlen jeweils die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen. ""Uns fehlen in der Politik Menschen, die sich nach einem erfolgreichen Berufsleben dafür entscheiden, nun noch etwas der Gemeinschaft zurückzugeben", sagte Weber. Die Wahl in Baden-Württemberg am 13. März 2016 kommt dabei für die FDP eine Schlüsselrolle zu - wegen der wirtschaftlichen und politischen Bedeutung des Bundeslandes und dessen traditioneller Rolle als Hochburg der Liberalen.

Weber will Ökologie und Ökonomie miteinander in Einklang bringen: "Die Grünen konzentrieren sich doch sehr auf die Bewahrung von Flora und Fauna. Nichts dagegen, aber wir müssen doch auch an die Lebensmöglichkeiten der Menschen künftiger Generationen, also an die Nachhaltigkeit, denken. Mit meinem Konzept des nachhaltigen Wachstums, des blauen Wachstums, wie ich es mit Freunden in der FDP nenne, fühle ich mich in dieser Partei sehr gut aufgehoben. Und besonders hier in Freiburg gibt es bei den Menschen daran auch ein sehr großes Interesse", sagte Weber.

Wenn die FDP insgesamt mehr als fünf Prozent der Stimmen erzielt, kommen diejenigen Kandidaten in den Landtag, die jeweils die besten Ergebnisse in ihren Wahlkreisen erzielen. Bei der letzten Landtagswahl landete Freiburg West FDP-intern auf Platz 45 von den 47 Wahlkreisen. Es ist also noch viel Luft nach oben", sagte Weber. Er hofft aber auch auf einen Bundes-Effekt: "Ich hoffe auch, dass ich ein so gutes Ergebnis erziele, dass sich die Bundes-FDP am Kopf kratzt, und die Idee des blauen Wachstums zentral in ihr Programm aufnimmt."

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