Sonntag, 16. Dezember 2018

Von wegen langweiliger Wahlkampf Angela Merkels Taktik im Diesel-Skandal ist großes Kino

Merkel, Autobosse Matthias Müller (rechts) und Herbert Diess (links): "Hardware-Updates teuer und technisch enorm aufwendig"

3. Teil: Institutionelle Korruption: Der Umweltschutz in Deutschland und Europa bleibt auf der Strecke

Institutionelle Korruption

Dieses Phänomen hat Lawrence Lessig als "institutionelle Korruption" bezeichnet. Während die USA ihre strikteren Gesetze in diesem Fall zügig durchsetzen, bleibt der Umweltschutz in Deutschland und Europa auf der Strecke.

So tauchten dann auch laut "Spiegel", die von Porsche in den USA vom Markt genommenen Geländewagen in Deutschland wieder auf - natürlich leicht umgerüstet und mit einem Software-Update versehen. Andere Länder, andere Wege, die Umwelt zu verschmutzen.

Markus Pohlmann
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    Universität Heidelberg
    Markus Pohlmann ist Professor an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Analyse von Management und Arbeitsorganisation in Industrieunternehmen. Aktuelle Texte zu diesen und anderen Themen veröffentlicht er auf seinem Blog Corporate Crime Stories.

Das von der Kanzlerin verordnete Software-Update behebt die Problematik des zu hohen Stickstoffausstoßes im Grunde nicht. Es handelt sich um eine formale, auf die Zulassung der Fahrzeuge bezogene Regelung, welche den Umweltschutz in dieser Branche weiterhin defekt reguliert. Und das ist im Falle des Umweltschutzes leider keine Seltenheit: Viele Studien zeigen, dass die Bedeutung von Umweltdelikten in Gerichtsverfahren oft zu Gunsten der Anklagten heruntergespielt wird und die nationalen Strafverfolgungsbehörden solchen Straftaten nur einen geringen Stellenwert einräumen.

Große Politik à la Merkel heißt einmal mehr: Vorfahrt für die Autoindustrie. Und wir Autofahrer werden es dieser vermutlich mit dem Kauf eines preisgünstigen Neuwagens danken.

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