Dienstag, 11. Dezember 2018

Bundestagswahl Diese Unternehmer wollen ins Parlament

5. Teil: Wer mehr Manager will, wählt die Bayern-SPD

Nina Scheer: Trotz Wahlkampfhilfe von Lokalgröße Günter Grass kaum Chancen im Wahlkreis

Von allen Fraktionen zählt die SPD die wenigsten Unternehmer in ihren Parlamentsreihen - was überraschen könnte, wird ihr Spitzenkandidat Peer Steinbrück doch oft als "Genosse der Bosse" beschrieben. Im Februar sorgte das sogar für einen der vielen kleinen Wahlkampfskandale, weil angeblich fünf anonyme Unternehmer das nach wenigen Tagen wieder eingestellte "Peerblog" finanzierten.

Was Gerhard Schröder im Fall der Anzeigenkampagne "Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse werden" von AWD-Gründer Carsten Maschmeyer noch zum Beweis seiner Zugkraft quer durch alle Schichten gereichte, wurde für Steinbrück zu einer weiteren Panne.

Die Sozialdemokraten haben zwar als Traditionspartei auch die älteste Unternehmergruppe: Die Arbeitsgemeinschaft Selbständige in der SPD geht auf die 1928 gegründete "Vereinigung sozialistischer Unternehmer" zurück, hat aber keinen Einfluss auf die Fraktion. Mit Klaas Hübner, der bereits in der Wahl 2009 mangels Absicherung über die Landesliste scheiterte, verlor sie längst ihren Vorzeigeunternehmer. Inzwischen belastet ein Skandal um Subventionen für Hübners Unternehmensgruppe Schloss Neugattersleben sogar Sachsen-Anhalts CDU-Ministerpräsidenten Reiner Haseloff.

Das mag dazu beitragen, dass die SPD noch weniger gern Unternehmer nominiert. In der aktuellen Fraktion können zwei Abgeordnete als Manager durchgehen: Die in Baden-Württemberg wieder sicher aufgestellte Katja Mast, früher Referentin für Personalstrategie der Deutschen Bahn, und der nicht mehr kandidierende Westfale Bernd Scheelen, Pharmabereichsleiter beim dänischen Konzern Lundbeck Börsen-Chart zeigen.

Die Newcomer haben alle eher mäßige Chancen. Relativ weit vorn tritt als Unternehmerin Nina Scheer an, die Tochter des verstorbenen Eurosolar-Gründers Hermann Scheer. Sie ist Geschäftsführerin des Verbands Unternehmensgrün in Berlin, also ähnlich qualifiziert wie FDP-Mann Hans Hermann Stein. Mit Listenplatz 6 in Schleswig-Holstein und Direktkandidatur im Herzogtum Lauenburg hat sie nicht gerade eine Mandatsgarantie.

In Bayern müsste die SPD ihr Ergebnis von damals miserablen 16,8 Prozent etwas steigern, dann brächte sie gleich zwei Manager ins Parlament: Florian Post von den Stadtwerken München, der zudem im Wahlkreis München-Nord eine seltene Chance auf ein Direktmandat hat, und Martina Stamm-Fibich, Marketingmanagerin in der Medizintechniksparte von Siemens Börsen-Chart zeigen. Das war's dann aber auch schon.

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