Sonntag, 29. Mai 2016

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Vermögensverteilung Die reichsten Ostdeutschen sind Westdeutsche

mm-Rangliste: Die Reichsten im Osten
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25 Jahre sind seit der Wende in der DDR vergangen. Und noch immer findet man die reichsten Deutschen fast ausschließlich in Westdeutschland. Nur wenige Firmen im Osten haben ihre Inhaber in die Top 500 der Reichstenliste katapultiert - und diese glücklichen Unternehmer kommen meist aus dem Westen.

Hamburg - Eigentlich läuft es doch ganz gut mit der deutschen Einheit. Als einen "wirtschaftlichen Erfolg" resümiert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) eine aktuelle Studie zur Wiedervereinigung. Die verfügbaren Einkommen der Ostdeutschen haben immerhin 83 Prozent des Westniveaus erreicht. Die Rentenanwartschaften sind wegen der langen Erwerbsbiografien der Frauen sogar höher.

Was die Vermögen angeht, klafft allerdings noch eine deutliche Lücke. Die ostdeutschen Haushalte kommen mit einem Durchschnittswert von 67.400 Euro auf 44 Prozent des von normalen Westdeutschen angehäuften Reichtums.

Richtig abgehängt ist der Osten jedoch jenseits dieser Durchschnittsbürger, in der Welt der Superreichen. Das zeigt die aktuelle manager-magazin-Rangliste der 500 reichsten Deutschen. Auf der Landkarte ist die frühere innerdeutschen Grenze noch klar zu erkennen. Von der Hansestadt Lübeck bis ins kleine oberfränkische Rehau mangelt es nicht an Vermögenden - auf der Westseite. Maßgebend ist jeweils der Firmensitz der wichtigsten Beteiligung, nicht der Wohnort des Inhabers.

Von 500 Namen finden sich 20 an Orten östlich dieser Linie; 14 davon in Berlin, meist im Westteil der Stadt. Außerdem zählen einige dazu, für die das ostdeutsche Unternehmen nur die zweitwichtigste Beteiligung darstellt; so wie im Fall des Kreuzfahrtschiffbauers Bernard Meyer, dem neben der Papenburger Meyer-Werft auch die Rostocker Neptun-Werft gehört.

Ost-Berliner Firmen mit großem Aufschlag an der Börse

Nur in zwei Fällen sorgen echte Ostfirmen für großen Reichtum: die Schwedter Papierfabrik Leipa und die Sektkellerei Rotkäppchen aus Freyburg an der Unstrut. Rotkäppchen wird zu Jubiläen wie diesem immer wieder als unternehmerische Erfolgsgeschichte gefeiert - ein Zeichen, dass auch Ostdeutsche es im Kapitalismus auf die Gewinnerseite schaffen können. Doch selbst diese Firmen gehören westdeutschen Familien.

Altes Geld dominiert das Reichsten-Ranking, auch wenn die Vermögenswerte von Jahr zu Jahr große Sprünge machen, zuletzt für die 500 Reichsten um 18,8 Prozent auf knapp 400 Milliarden Euro.

Nur wenige der Quellen dieses Reichtums sind jünger als 25 Jahre. Aber auch diese Startups gelingen offenbar besser mit einem vermögenden Hintergrund. Die Samwer-Brüder beispielsweise, die mit Rocket Internet Börsen-Chart zeigen und Zalando Börsen-Chart zeigen in der vergangenen Woche gleich zwei Firmen mit Sitz im ehemaligen Ost-Berlin an die Börse brachten, stammen aus einer Kölner Unternehmerdynastie.

"Aufgrund des insgesamt niedrigeren Lohn- und Einkommensniveaus und einer höheren Arbeitslosigkeit dürften die Möglichkeiten zur Vermögensbildung im Osten auch weiterhin schlechter sein als im Westen", fasst Verteilungsexperte Markus Grabka vom DIW die Aussichten für den Aufholprozess zusammen.

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