Mittwoch, 26. September 2018

EU-Ausbau und Finanzkrise Zweistellig mehr Zuwanderer nach Deutschland

Auswanderung aus Spanien: In der ersten Jahreshälfte 2013 39 Prozent höhere Zuwanderung nach Deutschland als vor Jahresfrist

Zuwanderer haben die Bevölkerung Deutschlands im ersten Halbjahr 2013 um eine Stadt der Größe von Mainz oder Erfurt wachsen lassen. Die Menschen kommen vor allem aus den neuen Staaten der EU und aus dem von der Finanzkrise gebeutelten Südeuropa.

Wiesbaden - Die EU-Osterweiterung und die Finanzkrise in Südeuropa haben Deutschland zum dritten Mal hintereinander im ersten Halbjahr zweistellige Zuwächse in der Zuwanderung gebracht. Mehr als eine halbe Million Menschen (555.000) kamen in den ersten sechs Monaten 2013 in die Bundesrepublik, das waren 11 Prozent oder 55.000 mehr als im gleichen Zeitraum des Jahres 2012. Das Plus war in den beiden Vorjahren aber noch höher, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. So war die Zuwanderung im ersten Halbjahr 2011 um 19 Prozent und 2012 um 15 Prozent gestiegen.

Zugleich kehrten im ersten Halbjahr 2013 rund 349.000 Menschen der Bundesrepublik den Rücken (plus 10 Prozent). Die Bevölkerung ist somit - ungeachtet von Geburten und Todesfällen - um 206.000 Menschen gewachsen. Das entspricht etwa einer Stadt der Größe von Mainz, Erfurt oder Oberhausen.

Rund zwei Drittel der zugezogenen Ausländer stammen aus der EU. Die meisten kamen aus Polen (93.000), gefolgt von Rumänien (67.000) und Bulgarien (29.000). Besonders hohe Zuwächse gab es aus den von der Finanzkrise besonders betroffenen südeuropäischen Ländern Italien (41 Prozent auf 26.500), Spanien (39 Prozent auf 15.500), Portugal (26 Prozent auf 7300). Aus Griechenland zog es dagegen weniger Menschen als vor Jahresfrist in die Bundesrepublik (minus 4,5 Prozent auf 15.000).

Eine Nettozuwanderung von voraussichtlich mehr als 400.000 Menschen in diesem Jahr sei angesichts der alternden Gesellschaft und des Fachkräftebedarfs sehr gut, sagt Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg (IAB). Wenn die Zuwanderung bis 2020 so hoch bleibe, könne das Erwerbspotenzial trotz des sich beschleunigenden demografischen Wandels gehalten werden. Der Arbeitsmarktfachmann ist jedoch davon überzeugt, dass wieder deutlich weniger Ausländer kommen, wenn sich die Wirtschaft in ihren Heimatstaaten erholt hat.

Die Ausländer aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten seien im Grundsatz deutlich besser integriert als die Ausländer, die im Rahmen der Gastarbeiterzuwanderung kamen und schon länger in Deutschland lebten. "Deutschland profitiert davon, vor allem die Rentensysteme", betont Brücker. "Die Gewinne sind sehr viel höher als die möglichen Verluste."

Außerhalb der EU kamen im ersten Halbjahr besonders viele Ausländer aus der Russischen Föderation: Ihre Zahl stieg um 127 Prozent auf 16.000. Starke Zuwachse gab es auch aus den Krisenherden Syrien (plus 178 Prozent auf 6000), Libyen (plus 219 Prozent auf 2000) und Somalia (plus 143 Prozent auf 1000).

kst/dpa

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