Sonntag, 19. November 2017

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Deutschland und Frankreich Jetzt wird es richtig teuer

Macron, Merkel: Der größte Sch(r)eck kommt noch

2. Teil: Die Eurokrise ist weiterhin ungelöst

Die ungelöste Eurokrise

Zunächst lohnt es sich, daran zu erinnern, warum es überhaupt eine Eurokrise gab, bzw. immer noch gibt. Kurz gefasst passierte Folgendes:

  • Mit der Einführung des Euro sanken überall in Europa die Zinsen auf deutsches Niveau.
  • Da die Inflationsraten zum Teil noch deutlich höher waren, lohnte es sich, Kredite aufzunehmen. Dieses Geld wurde überwiegend in Immobilien investiert.
  • Der dadurch ausgelöste Boom führte zu Konjunkturaufschwung mit steigender Beschäftigung in den heutigen Krisenländern und damit auch zu steigenden Löhnen.
  • Als die Blase platzte, stellte sich heraus, dass Immobilienpreise auch fallen können, dass das Bankensystem insolvent und dass das Lohnniveau vor allem im Vergleich zu Deutschland nicht wettbewerbsfähig ist.

Notwendig wäre in einer solchen Situation:

  • eine Reduktion der zu hohen staatlichen und privaten Schuldenlast
  • eine Sanierung der Banken
  • eine deutliche Anpassung der Lohnkosten in den Krisenländern nach unten.

Nichts, aber auch gar nichts davon ist in den letzten Jahren erfolgt. Im Gegenteil: Die Schulden von Staaten und Privaten liegen in der Eurozone - und dabei vor allem in den Krisenländern - über dem Niveau von 2007. Die europäischen Banken sitzen weiterhin auf einem Berg fauler Forderungen und Schätzungen gehen in die Größenordnung von 1000 Milliarden Euro, die fehlen. Auch die Wettbewerbsfähigkeit hat sich zwischen den Ländern nicht angenähert.

Schuld daran trägt gerade auch die deutsche Bundesregierung, die sich konsequent geweigert hat, zu fordern und umzusetzen, was dringend erforderlich ist: ein Schuldenschnitt, verbunden mit einer Neuordnung der Eurozone.

Der Grund für die Weigerung ist klar: Wo Schulden verschwinden, verschwinden auch die damit im Zusammenhang stehenden Vermögen. Und da wir der größte Gläubiger in der Eurozone sind, würden unsere Kapitalsammelstellen (Versicherungen, Pensionskassen, Banken) die größten Verluste realisieren. Und damit wir alle. Da ist es doch viel bequemer, der EZB die Last zuzuschieben, mit immer mehr und immer billigerem Geld die Illusion der Zahlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Da ist es mehr als heuchlerisch, danach über die tiefen Zinsen zu klagen.

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