Sonntag, 16. Dezember 2018

Risiken steigen Bundesregierung senkt Wachstumsprognose

Hafen Hamburg: 2,3 Prozent Wachstum für 2018, Arbeitslosenquote soll auf 5 Prozent sinken bis 2019

Die Bundesregierung rechnet trotz steigender Risiken mit einem stabilen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland. Davon sollen zunehmend auch die Beschäftigten profitieren. Die Einkommen steigen laut der Regierungsprognose spürbar, die Arbeitslosigkeit geht weiter zurück. Dennoch senkte die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose leicht um 0,1 Prozent.

Die Bundesregierung rechnet für das laufende Jahr 2018 mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts von 2,3 Prozent, für das kommende Jahr mit einem Plus von 2,1 Prozent. Im Januar hatte die Regierung noch mit einem Plus von 2,4 Prozent gerechnet.

Die Beschäftigung in Deutschland werde bis zum Jahr 2019 noch einmal um eine Million Personen zunehmen, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Mittwoch in Berlin. Die Arbeitslosenquote sinkt laut der "Frühjahrsprojektion" in diesem Jahr auf 5,2 Prozent, im kommenden Jahr auf 5 Prozent. Damit wäre Deutschland nur noch wenig entfernt von einer Vollbeschäftigung, sagte Altmaier.

Der Koalitionsvertrag von Union und SPD werde weitere "Wachstumskräfte" freisetzen, sagte der CDU-Politiker. Er nannte etwa eine geplante bessere Förderung von Unternehmensgründungen und den Abbau von Bürokratie. Die Regierung wolle außerdem verstärkt in Infrastruktur sowie Digitalisierung investieren.

Berlin bleibt optimistischer als Wirtschaftsforscher

Mit ihrer Wachstumsprognose ist die Bundesregierung etwas optimistischer als führende Wirtschaftsforscher, die für das laufende Jahr ein Plus von 2,2 Prozent und für das kommende Jahr von 2,0 Prozent erwarten.

Die Forscher hatten vor zunehmenden Risiken gewarnt. In den Unternehmen gebe es bereits eine hohe Kapazitätsauslastung, die zuletzt noch einmal gestiegen sei. Die Firmen sehen aber einen Mangel an Fachkräften als immer größeres Problem.

Altmaier sagte, zwar befinde sich die Wirtschaft in einer Überauslastung, eine "Überhitzung" - also ein Kippen der Entwicklung - sei jedoch nicht erkennbar. Es gehe darum, den Fachkräftebedarf so zu decken, dass die Firmen alle Aufträge annehmen könnten.

Als ein großes Risiko für die Wirtschaft gilt aber der laufende Handelskonflikt mit den USA um Schutzzölle der Amerikaner auf Stahl und Aluminium. Die EU-Staaten sind bis zum 1. Mai von den Schutzzöllen ausgenommen, es laufen derzeit Verhandlungen über eine dauerhafte Ausnahme.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnte, die gute deutsche Konjunktur werde zunehmend auf den Prüfstand gestellt. "Die Engpässe sind inzwischen deutlich spürbar - etwa bei den Transportkapazitäten oder beim Fachkräfteangebot", sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Volker Treier. Umso wichtiger sei, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarten Maßnahmen zur Steigerung des Fachkräfteangebots umgesetzt würden - etwa der Ausbau der Ganztagsbetreuung oder die Stärkung der beruflichen Bildung.

la/dpa

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