Sonntag, 27. Mai 2018

Die Problemlandkarte der deutschen Hochschulen Dem Uni-Bachelor geht es an den Kragen

Studenten-Demo in Berlin: Universitätspräsidenten beklatschen die Reform, müssen aber in manchen Studiengängen mehr als 1000 Klagen vor Gericht wegen Nichtzulassung zum Master-Studium bearbeiten.

2. Teil: Demokratisierung statt Top-Down-Nivellierung

Die Lösungen liegen auf der Hand: Sie laufen zum einen hinaus auf eine eindeutige Differenzierung von Hochschularten und Hochschulprogrammen. Fachhochschulen können und sollen unmittelbar arbeitsplatzbefähigenden Bachelor-Programme anbieten, unter Umständen ergänzt um vertiefende Master-Programme. Universitäten als Bildungseinrichtungen können und sollen sich auf breit-berufsqualifizierende Bachelor- plus konsekutive Masterprogramme konzentrieren, die allen Studierenden die Möglichkeit bieten "durchzustudieren" (nach dem Bachelor ohne Barriere direkt in den Master im gleichen Fach an der gleichen Universität). Der Trend geht ohnehin in diese Richtung und könnte durch das Bologna-Diplom mit integriertem Bachelor-Titel noch optimiert werden.

Differenzierung bedeutet auch, dass die aktuell laufende einseitige Mittelverlagerung in MINT-Studiengänge sofort zu stoppen ist. Deutschland braucht nicht nur Ingenieure und Informatiker!

Zum anderen brauchen wir demokratischere Strukturen bei der Hochschulsteuerung. Der Senat ist im Regelfall machtlos, der Hochschulrat durch die Hochschulleitung instrumentalisiert. Und ebenfalls undemokratisch: Ohne Beteiligung der Betroffenen nimmt die Hochschulleitung "externe Anregungen" auf und lässt einige wenige Vertreter von (technischen) Großkonzernen mitbestimmen, in welche Richtung sich eine typische Hochschule in Deutschland zu entwickeln hat.

Durch Steuergelder finanzierte Lobbygruppe für Präsidenten und Rektoren

Ebenfalls geht es nicht, dass die Hochschulleitungen über die Hochschulrektorenkonferenz - eine durch Steuergelder finanzierte Lobbygruppe für Präsidenten und Rektoren - für sich immer neue feudalistische Strukturen schaffen. Feudalherren mit Fehlentscheidungen im isolierten Machtzirkel werden sogar in der FIFA langsam abgeschafft. Warum nicht auch an Universitäten? Denn solche Systeme entsprechen weder dem Zeitgeist noch der internationalen Universitätskultur. Sollen sich Fakultäten, also Studenten, Professoren und Mitarbeiter, wirklich nur noch über Anwälte Gehör verschaffen können?

Auch zur Optimierung der Lehre und um die Blockade innovationsfeindlicher Hochschulleitungen zu durchbrechen, brauchen wir eine Überarbeitung der Universitätsgesetze. Und wir werden sie alleine deshalb schon bekommen, weil die gegenwärtig gültigen teilweise fundamental gegen das Grundgesetz verstoßen. Deshalb gilt es, die Gunst der Stunde zu nutzen und endlich dezentral-demokratische Strukturen in den Hochschulen zuzulassen: Dann entstehen auch wieder mehr Innovation in der Forschung und mehr verbesserte Lehre jenseits von bürokratisch verschulten Bachelor-Programmen.

Wie immer aber sich die Hochschulen auch ändern werden: Dem Bachelor in der aktuellen Fassung wird es zumindest in Universitäten an den Kragen gehen. Und das ist gut so!

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