Freitag, 22. September 2017

Bundestagswahl: Angela Merkel im Rhetorik-Check Die Amtsinhaberin: Mensch und Rolle nicht mehr trennbar

5. Teil: Körper und Staging: Auffällig unauffällig

Die Auftritte der Kanzlerin sind gänzlich unkörperlich: Sie ist da, aber sie lenkt die Aufmerksamkeit nicht auf sich, nicht auf Details. Die Botschaft: Sie dient, sagt ein paar Worte, dann geht sie wieder. Die Merkel-Raute - Daumen und Zeigefinger aneinander gelegt - sind der ikonographische Ausdruck dafür. Sie macht sich über die lustig, die sich darüber lustig machen wollen.

Bei ihrer Präsenz, ihrer Haltung und Gestik ist über die Jahre eine Entwicklung zu sehen. Am Anfang ihrer Karriere war ihre Haltung gebückt, jetzt ist sie aufrecht. Ihre Gestik sparsam geblieben, aber inzwischen unterstützt sie ihre Formulierungen. Nur eben nicht auffällig.

Entscheidend für rhetorischen Erfolg ist der Modus, die richtige Balance zwischen Mensch und Rolle. Rechthaber oder Gemeinsamkeitshersteller? Expertenmodus oder Executive Modus? Merkel ist eindeutig auf der zweiten Schiene unterwegs, Schulz eher auf der ersten - dazu später mehr. Wenn es der Bundeskanzlerin gelingen sollte, wiedergewählt zu werden, liegt es auch daran.

Nichts zu danken.

Stefan Wachtel ist Executive Coach und bereitet beispielsweise Spitzenmanager auf öffentliche Auftritte vor. Er ist Mitglied der MeinungsMachervon manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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