Freitag, 22. September 2017

Bundestagswahl: Angela Merkel im Rhetorik-Check Die Amtsinhaberin: Mensch und Rolle nicht mehr trennbar

2. Teil: Argumentation: Allgemein, nie konkret

Angela Merkel ist die Königin der Verallgemeinerungen. Nur keine Details, nur nicht wieder brutto und netto verwechseln! Verallgemeinern ist dabei in doppelter Hinsicht zu verstehen: Sie verallgemeinert Dinge. Und sie macht sich mit Menschen gemein. Ihr Lieblingswort ist "Wir", womit sie jedoch für ihr Publikum nicht immer glaubhaft ist, weil sie es versäumt, eine Brücke von "denen da oben" zum Volk zu bilden. Wenn sie sich der Unterstützung der Menschen nicht sicher sein kann, flüchtet sie in ihr zweitliebstes Wort: "man". So sagte sie zur Begründung der Griechenland-Rettung: "Man lasst ja dann auch keinen alleine."

Genau genommen argumentiert sie nie, sie will ihrem Gegenüber nicht sagen, dass er unrecht hat. Irgendwie haben bei ihr immer alle recht. Ihr drittes Lieblingswort atmet diese Botschaft aus: "gemeinsam".

Angela Merkel beherrscht die Zielsatz-Methode. Sie sucht sich ein rhetorisches Ziel und steuert exakt darauf zu. So klingt es geradezu nett, wie sie nach den Krawallen in Hamburg ihre dortigen Parteifreunde abwatscht: "Wir sind eine vielfältige Partei und ich habe mit der Hamburger CDU gesprochen und hab ihr ganz deutlich gesagt, dass ich das für falsch halte. Das gesamte Präsidium und der Bundesvorstand der CDU mit Ausnahme Hamburgs stehen zu diesem Gipfel, stehen dazu, dass Hamburg das gemacht hat, unterstützen Olaf Scholz, also […] sich da jetzt auseinanderdividieren zu lassen wäre abenteuerlich. Aber wie gesagt: Volkspartei, Vielfalt." Das muss man erst mal können.

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