Sonntag, 17. Dezember 2017

Christian Lindner im Körpersprache-Check Lindner gleich laut - in jeder Beziehung

FDP-Chef Christian Lindner
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FDP-Chef Christian Lindner

Der Erfolg einer Partei bei der Bundestagswahl hängt auch von der Körpersprache ihres Spitzenkandidaten ab. Er muss uns das Gefühl vermitteln, unsere Emotionen zu verstehen. Erst in der Folge hören wir seinen Inhalten wohlwollend zu. Sicherheit, Aufgebrachtheit, Stabilität oder Aufbruch: Wer das nicht "verkörpert", bleibt ein Phrasendrescher. Im folgenden Text geht es ausschließlich um eine Analyse der non-verbalen Kommunikation - also der Körpersprache. Auf politische Inhalte wird kein Bezug genommen, dieser Text ist keine politische Meinungsäußerung des Autors.

Christian Lindner fällt auf in diesem Wahlkampf. Nicht nur ist er der zweitjüngste aller Kandidaten (Alice Weidel on der AfD ist etwa einen Monat jünger). Er versteht es besser als alle anderen Kandidaten, seinen Körper als zweite Ebene der Kommunikation einzusetzen. Seine Mimik und Gestik sind nicht zufälliges Beiwerk seiner Worte, sondern er nutzt sie, um seinen Aussagen Kraft zu verleihen. Leider fehlt ihm dabei ein wichtiges Element.

Laut - auch mit dem Körper

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Wenn man eine Eigenschaft wählen müsste, um ihn zu beschreiben wäre es wohl "laut". Und zwar körpersprachlich laut. Nicht polternd, aber laut. Ja, Frauke Petry kann auch laut werden. Allerdings nutzt Lindner seine Lautstärke nicht, um unbedingt in Aggression zu verfallen. Menschen, die große Menschenmassen anziehen wollen, müssen eine gewisse Lautstärke in ihrem Auftreten haben. Klar könnten Sie auf einer Wahlkampfveranstaltung leise und zurückhaltend plaudern. Empfehlenswert ist das allerdings nicht - vor allem nicht für Herausforderer.

Zuwendung

Lindner weiß, dass er auf sich aufmerksam machen muss. Er reißt deswegen "sein Maul auf" - im positiven Sinne. Dabei öffnet er den Unterkiefer weit, so, dass wir sogar auf Fotos erkennen, dass er gehört werden will.

Er ist auffallend flexibel in seinem Rumpf - zumindest im Vergleich zu nahezu allen Mitbewerbern. Wer viele Menschen erreichen will, muss viele ansprechen. Und angesprochen fühlen wir uns vor allem dann, wenn sich uns jemand zuwendet.

Handkanten, Faust und Händereiben

Seine Gestik ist ausladend, weiter und größer als die aller anderen Spitzenkandidaten. Handkantenschläge und Fausthiebe sind die ältesten Waffen der Menschheit. Er zeigt so seinen Kampfeswillen. Damit fängt Lindner die Emotionen derjenigen Wähler gut auf, die sich von der aktuellen Besetzung des Bundestags nicht repräsentiert fühlen. Auch sie sind kampflustig und wollen eine Alternative. Diese Aufgebrachtheit spiegelt Lindner gut wieder. Er freut sich auch diebisch, wenn er einen verbalen Treffer landen konnte. Er gratuliert sich dabei gerne selbst mit ausführlichem Händereiben - eine Geste der Selbstbestätigung.

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Der Lümmler

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Christian Lindner lümmelt gerne. Zumindest im Vergleich zu vielen anderen Rednern in den Landtagen oder im Bundestag fläzt er nahezu am Rednerpult. Breit aufgestützt oder einen Ellbogen aufgelehnt, so als würde er an der Theke seiner Stammkneipe stehen. Er zeigt allen damit: "Das ist jetzt mein Terrain." Damit strahlt er viel Selbstbewusstsein aus - knapp an der Grenze zur Überheblichkeit. Das hat seine Vorteile: Würde er zu vorsichtig an die Sache herangehen, kämen seine Inhalte schwächer rüber.

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