Samstag, 17. November 2018

CDU-Kanzlerkandidatin im Körpersprache-Check Angela Merkel - Reduzierung als Erfolgsrezept

Der Erfolg einer Partei bei der Bundestagswahl hängt auch von der Körpersprache ihrer Spitzenkandidatin ab. Sie muss uns das Gefühl vermitteln, unsere Emotionen zu verstehen. Erst in der Folge hören wir ihren Inhalten wohlwollend zu. Sicherheit, Aufgebrachtheit, Stabilität oder Aufbruch: Wer das nicht "verkörpert", bleibt ein Phrasendrescher. Im folgenden Text geht es ausschließlich um eine Analyse der non-verbalen Kommunikation - also der Körpersprache. Auf politische Inhalte wird kein Bezug genommen, dieser Text ist keine politische Meinungsäußerung des Autors.

Angela Merkel ist körpersprachlich kein großer Hingucker. Und doch hat sie die höchsten Zustimmungsraten. Genau deswegen. Durch ihre Unbewegtheit verkörpert sie den Wunsch vieler Wähler nach Beibehaltung des Status quo - beziehungsweise die Hoffnung, dass sich dieser zumindest nicht verschlechtert.

Sie zeigt ganz offensichtlich, dass sie nicht der Mensch ist, der gern im Mittelpunkt steht. Sie sucht nicht das Rampenlicht wie ein Donald Trump, eine Hillary Clinton oder ein Gerhard Schröder.

Der Angela-Gruß

Stefan Verra
  • Copyright: Severin Schweiger
    Severin Schweiger
    Stefan Verra ist einer der gefragtesten Körpersprache-Experten im deutschen Sprachraum. Seine Vortragsreisen führten ihn bisher in 13 Länder auf vier Kontinenten. Er ist Universitätsdozent, Bestsellerautor und teilt seine Tipps und Körpersprache Analysen auf www.stefanverra.com.

Wenn Merkel eine Bühne betritt, tut sie das anders als viele andere Menschen. Verglichen mit Barack Obama oder Trump oder auch Christine Lagarde macht sie sich klein. Noch kleiner als sie ohnehin ist. Die eben genannten Menschen richten ihren Körper auf und heben meist ihr Kinn.

Merkel macht das Gegenteil. Sie senkt ihren Blick. Auch wenn sie ins Publikum schaut, tut sie das häufig mit gesenktem Kopf. Betrachten wir ihre Körpersprache beim Gruß in die Menge, wird das beinahe bilderbuchmäßig klar. In einer speziellen Synkinesie, also einer automatischen Mitbewegung, macht sie gleichzeitig zwei Dinge: Sie hebt die Hand zum Winken hoch - und duckt gleichzeitig ihren Kopf nach unten.

Also selbst im Zeigen von körperlicher Größe, macht sie sich noch kleiner. Das löst bei uns ein Gefühl von Zurückhaltung und Bescheidenheit aus. In jedem Fall ist es nicht das, was wir im ersten Moment als Machtsignal einordnen würden.

Reduzierte Mimik

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Merkels Mimik und Gestik ist insgesamt klein und reduziert. Oft wird gesagt, die Kanzlerin würde sich nicht bewegen. Politisch will ich das hier nicht beurteilen, aber körpersprachlich macht sie das sehr wohl. Sie zeigt eine erstaunlich große Vielfalt an Ausdrücken - nur eben sehr reduziert.

Man tut ihr also unrecht, wenn man ihr Unbewegtheit in der Körpersprache vorwirft. Allerdings trägt sie selbst viel dazu bei, dass dieser Eindruck entsteht. Denn für die meisten Menschen ist ihre Ausdrucksvielfalt zu wenig klar ersichtlich. Und je undeutlicher wir einen Ausdruck erkennen, desto weniger existiert er für uns.

Nun kann man an dieser Eigenschaft viel Negatives finden, aber einen großen Vorteil hat sie: Sie vermittelt Stabilität. Und genau das ist es, was Merkels Image prägt.

Die Tempo-Kanzlerin

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Angela Merkel geht gerne voran. Mit recht großen Schritten und ohne nach links und rechts zu blicken. Wer voran geht, und das mit einer großen Zielstrebigkeit macht, vermittelt Sicherheit. Denn dieser Mensch weiß offensichtlich, welche Richtung die richtige ist. Interessant ist auf diesen Jahrzehnte alten Bildern zu sehen, wie bereitwillig die Umstehenden, meist Männer, sich ihrem Tempo unterordnen, ihr folgen. Lange bevor man sie in der Öffentlichkeit überhaupt wahrgenommen hat. Dieses zielsichere Agieren in alltäglichen Handlungen vermittelt uns Kompetenz und Selbstbewusstsein. Wer das zeigt, dem ordnen wir uns gerne unter. Egal ob Mann oder Frau. Wer aber ständig drauf achtet, ob er es allen recht macht, wer sich ständig umblickt, ob ihm auch alle folgen, erzielt oft genau den gegenteiligen Effekt.

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