Samstag, 27. August 2016

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Gasförderung Bundesregierung weicht Fracking-Verbot auf

Gasbohrung in den USA: Bald doch Fracking in Deutschland?

Eigentlich wollte die Bundesregierung Fracking bis 3000 Meter Tiefe verbieten. Nach "Spiegel"-Informationen will sie Probebohrungen in Einzelfällen nun doch erlauben.

Hamburg - Die Bundesregierung hat sich auf einen Kompromiss geeinigt, mit dem die umstrittene Fracking-Methode doch noch erlaubt werden kann. So soll nach Informationen des "Spiegel" eine sechsköpfige Kommission aus Wissenschaftlern gebildet werden, die bei "absoluter Unbedenklichkeit" eine Probebohrung zulassen könnte.

In einer ursprünglichen Fassung sah das Fracking-Gesetz ein Verbot bis 3000 Meter Tiefe vor. Dieses wurde nun gestrichen. Der Kompromiss kam unter Vermittlung von Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) auf Betreiben des Wirtschaftsflügels der CDU, der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie sowie dem Bundesverband der Deutschen Industrie zustande. Das Gesetz soll noch dieses Jahr im Bundestag beschlossen werden.

Fracking ist eine Kurzform für "Hydraulic Fracturing". Deutsche Experten sprechen auch von "hydraulischer Lagerstättenstimulation". Dabei wird ein Mix aus Wasser, Sand und Chemikalien mit Hochdruck durch Bohrlöcher in den Untergrund gepresst, um Erdgasvorräte freizusetzen, die in bis zu 2500 Metern Tiefe im Schiefer ruhen und sonst nicht erreichbar sind. Die Flüssigkeit bricht die Gesteinsschichten auf, der Sand füllt die Zwischenräume, das Gas kann dadurch entströmen. Über horizontale Bohrungen kann eine einzige Förderstelle, wie ein Rad mit Speichen, weite Flächen erreichen.

Kritiker fürchten, dass Fracking Erdbeben auslösen könnte. Auch ist die genaue Zusammensetzung der Bohrmischung unklar. Energiefirmen nennen bis zu 750 Additive, Umweltschützer haben unter anderem Chlorwasserstoffsäure und Methanol identifiziert. Studien zufolge kann Fracking das Trinkwasser kontaminieren, durch giftige Abwässer, Chemikalien und radioaktive Stoffe. Es könne zu Explosionen, Methangas-Emissionen und langfristigen Gesundheitsschäden führen.

ts/Spiegel

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