Dienstag, 19. März 2019

EXKLUSIV BCG-Deutschland-Chef über Berateraffäre im Verteidigungsministerium "Die Vorwürfe schaden der gesamten Branche"

"Wahrscheinlichkeit für Fehlverhalten ist nahe null" : Carsten Kratz, BCG-Deutschland-Chef, sieht sein Unternehmen in der Berateraffäre im Bundesverteidigungsministerium frei von Schuld

Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) erwartet drastische Folgen durch die Berateraffäre im Bundesverteidigungsministerium. "Die Vorwürfe, die im Raum stehen, schaden der gesamten Branche, uns eingeschlossen", erklärte Deutschland-Chef Carsten Kratz (51) im Interview mit dem manager magazin. Seine große Sorge sei, "dass wir in eine Phase der Verunsicherung geraten", und dass sinnvolle Reformprojekte mit Beraterunterstützung "nicht mehr gestartet werden".

Seit 14. Februar arbeitet ein Untersuchungsausschuss Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Berateraufträgen durch das Bundesverteidigungsministerium auf, geht zudem Vorwürfen von Vetternwirtschaft nach. Im Fokus der Kritik stehen der IT-Gigant Accenture und die Strategieberatung McKinsey.

Kratz selbst glaubt, sein Unternehmen habe sich nichts zuschulden kommen lassen: "Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie", so der Consultant, "aber die Wahrscheinlichkeit für Fehlverhalten ist nahe null."


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Kratz, der im April seinen Posten turnusgemäß aufgibt und dann auf den Job des neu geschaffenen nationalen Chairman wechselt, plädiert dafür, die Regeln, die in der Privatwirtschaft für den Einsatz von Beratern gelten, auch im Geschäft mit dem Staat anzuwenden.

So solle eine Return-on-Investment-Perspektive, die fragt, welcher Wert durch Beratung entstehe, auch im öffentlichen Sektor "an oberster Stelle" stehen. Zudem fordert er, die bisherige Vergabepraxis zu ändern. Bislang sei oft nur der Preis entscheidend. Er wünsche sich, wie in den Unternehmen, einen zweistufigen Prozess: Nur die Firmen, denen man die Lösung eines Problems zutraue, sollten überhaupt ein Preisangebot abgeben dürfen.

Weiterhin empfiehlt Kratz, dass sich die obere Führungsebene stärker einbringt. Staatssekretäre, Abteilungs- und Behördenleiter sollten "nah dran sein an den Projekten". Die hätten den Gesamtüberblick und trügen die Verantwortung. Auf diese Weise könne man die Anzahl problematischer Projekte minimieren.

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