Mittwoch, 19. September 2018

Studie zur Kita-Betreuung Große regionale Unterschiede bei der Kinderbetreuung

Den besten Personalschlüssel weist Baden-Württemberg aus

In den deutschen Kindertagesstätten hat sich der Personalschlüssel in den vergangenen Jahren leicht verbessert. Sowohl in Kinderkrippen als auch in Kindergärten war eine Erzieherin oder ein Erzieher rein rechnerisch für etwas weniger Kinder verantwortlich, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung. Allerdings gebe es weiter einen erheblichen Ost-West-Unterschied.

Anfang März 2012 war der Studie zufolge in Kinderkrippen in Deutschland eine Fachkraft für 4,8 Kinder in der Ganztagsbetreuung zuständig, im März 2017 waren es 4,3 Kinder. Ähnlich war die Entwicklung in Kindergärten: Während sich 2012 eine Erzieherin oder ein Erzieher um 9,8 Kinder kümmerte, waren es im vergangenen Jahr 9,1 Kinder.

Allerdings sind die Quoten noch weit von den Werten entfernt, die die Bertelsmann-Stiftung für eine gute Betreuung für angemessen hält. Die Stiftung empfiehlt für Kinderkrippen einen Personalschlüssel von eins zu drei und für Kindergärten von eins zu siebeneinhalb.

Zudem sind die Unterschiede zwischen den west- und ostdeutschen Bundesländern nach wie vor groß. Im Jahr 2017 kamen im Osten auf eine Krippenfachkraft sechs Kinder, im Westen 3,6. In Kindergärten betreute in den ostdeutschen Ländern eine Erzieherin oder ein Erzieher 11,9 Kinder, in Westdeutschland dagegen nur 8,4 Kinder. In Ostdeutschland würden gut 631.000, in Westdeutschland knapp 2,8 Millionen Jungen und Mädchen in Kitas und - zu einem geringen Anteil von unter 5 Prozent - in der Kindertagespflege betreut.

"Die Kitaqualität hat sich bundesweit verbessert - die Kluft zwischen Ost- und Westdeutschland ist allerdings geblieben", erklärte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Er sprach sich für Nachbesserungen am geplanten Gute-Kita-Gesetz der Bundesregierung aus. "Ohne bundesweit einheitliche und gesetzlich geregelte Standards bleibt der Flickenteppich bei der Kitaqualität", zeigte sich Dräger überzeugt.

Das geplante "Gute-Kita-Gesetz" der Bundesregierung drohe das regionale Qualitätsgefälle und den nach wie vor bestehenden "Flickenteppich" noch zu verschärfen, monierte Dräger weiter. Seit 2015 stagniere zudem in elf Ländern die personelle Aufstockung in den Krippen - so auch in NRW, Hessen, Berlin, Schleswig-Holstein, Sachsen oder Thüringen.

Zweitbester Personalschlüssel in Bremen

Bundesweit am besten ist die Personalsituation für die Kleinen in Baden-Württemberg - mit einem Betreuungsschlüssel von 1 zu 3,1 Krippenkindern und 1 zu 7,1 Kindern von drei bis sechs Jahren. Den zweiten Platz belegt Bremen. Niedersachsen verfügt bei den älteren Kindergartenkindern über vergleichsweise viele Erzieherinnen und teilt sich Platz drei mit Rheinland-Pfalz, wo 3,5 Krippenkinder von einer Fachkraft betreut werden. Innerhalb des bevölkerungsreichsten Bundeslandes NRW bestehen besonders große Unterschiede je nach Wohnort. Zu den Schlusslichtern gehören Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Sachsen. Die Stiftung forderte deutlich mehr Mittel vom Bund vor allem für Ostdeutschland.

Dräger forderte Bund und Länder auf, sich in den anstehenden Verhandlungen auf eine Verbesserung der Personalschlüssel und Leitungsausstattung zu konzentrieren. Als ein "falsches Signal" bezeichnete er es dagegen, den Fokus wie in vielen Ländern auf die Beitragsfreiheit zu setzen.

Beitragsfreiheit in der Kritik

"Die Qualität der Kitas leidet unter der Beitragsfreiheit", erklärte Dräger. Die bereits für den Qualitätsausbau zu geringen Mittel des Bundes sollten nicht für eine Abschaffung der Beiträge eingesetzt werden, sondern für eine Befreiung der Familien unterhalb der Armutsrisikogrenze.

Die Vize-Chefin der SPD-Bundestagsfraktion, Katja Mast, verteidigte dagegen das geplante "Gute-Kita-Gesetz". Es werde die Qualität der Kindertagesbetreuung stärken und Zugangshürden durch Gebühren abbauen, sagte Mast der Deutschen Presse-Agentur. "Es wird die Situation in Deutschland deutlich verbessern", zeigte sich die Politikerin überzeugt.

Die Bertelsmann-Stiftung ist eine selbstständige Stiftung, die 1977 vom langjährigen Bertelsmann-Chef Reinhard Mohn gegründet wurde und die mittlerweile die Mehrheit der Anteile an dem Medienkonzern Bertelsmann besitzt.

afp/dpa/akn

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