Montag, 18. Dezember 2017

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Einigung bei Rentenreform Die Rente ist sicher - jedenfalls bei der ARD

"Wir sind eins": ARD-Beschäftigte müssen in der Zukunft leicht gedrosselte Betriebsrenten hinnehmen

Die ARD-Sender drosseln die allein vom Arbeitgeber finanzierte Betriebsrente ihrer Mitarbeiter. Sie steigt künftig nicht mehr im Gleichschritt mit den Gehältern. Doch die öffentlich-rechtlichen (Betriebs-)Rentner genießen viele Vorteile. Können sie doch künftig nahezu ohne Abschläge vorzeitig in den Ruhestand wechseln.

Sie hatten gut vier Jahre miteinander gerungen, jetzt ist die Kuh vom Eis: Angesichts niedriger Kapitalmarktzinsen drosseln die ARD-Sender die Ausgaben für die Betriebsrenten ihrer Mitarbeiter. Wie die ARD am Montag mitteilte, einigten sich die Arbeitgeber mit drei Gewerkschaften auf eine Reform der Versorgungswerke. Der Vertrag soll im Herbst unterzeichnet werden. Mehrere Sender mussten in den vergangenen Jahren auch wegen niedriger Zinsen die Rückstellungen für die Altersversorgung deutlich erhöhen.

Nun soll es für alle Beschäftigten, die seit Jahresbeginn 2017 eingestellt wurden, ein neues Versorgungssystem geben. "Die neue beitragsorientierte Versorgung befreit die Rundfunkanstalten von den Kostenrisiken durch Zinsentwicklung und steigende Lebenserwartung", heißt es. Auch andere Unternehmen haben in der Vergangenheit ihre Betriebsrenten-Versprechen an die Beschäftigten eingedampft, um Kosten zu senken und die Bilanz zu entlasten.

Wer länger dabei ist bei der ARD, dessen jährliche Rentensteigerung fällt künftig geringer aus. Bislang fiel sie in allen Sendern genauso hoch aus wie die jährliche Gehaltsteigerung. "Künftig werden die Betriebsrenten in 12 Monaten um einen Prozentpunkt weniger steigen als die Gehälter, aber in diesem Zeitraum auch mindestens um ein Prozent steigen", teilte die ARD mit. Ein dauerhaftes Absinken unter die Teuerungsrate werde damit ausgeschlossen, ist die Gewerkschaft DJV überzeugt.

Den Löwenanteil der Rentenbeiträge trägt die ARD

Nach DJV-Angaben können befristet beschäftigte Angestellte zukünftig auch Altersversorgungsansprüche erwerben. Dabei bauen die Sender allein die betriebliche Altersversorgung ihrer Mitarbeiter auf. Die Höhe der Beiträge orientiert sich am Gehalt und beträgt 7,38 Prozent bis zur Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung (West: 6350 Euro; Ost 5700 Euro).

Für einen ARD-Journalisten, dessen Monatsgehalt genau diese Grenze erreicht, zahlt der Arbeitgeber im Westen damit rund 468 Euro in die Betriebsrente ein, im Osten sind es 420 Euro. Für jeden Euro, der über dieser Grenze liegt, fließen weitere 3,35 Prozent in die Betriebsrente, bestätigt DJV-Sprecher Hendrik Zörner auf Nachfrage von manager-magazin.de.

Im Ruhestand beziehen die ARD-Beschäftigten auch die ganz normale gesetzliche Rente. Die Beiträge von 18,7 Prozent teilen sich ARD und Beschäftigte jeweils zur Hälfte. Bei einem Bruttomonatsgehalt von 6350 Euro sind dies jeweils rund 594 Euro. Im Beispielfall (West) fließen also monatlich insgesamt 1655 Euro in die gesetzliche Renten- und Betriebsrentenkasse, wovon der Beschäftigte selbst lediglich 594 Euro trägt.

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