Freitag, 1. Juli 2016

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Neujahrsansprache Merkel fürchtet Spaltung Deutschlands

Kanzlerin Merkel: "Besonders herausfordernde Zeit"
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Kanzlerin Merkel: "Besonders herausfordernde Zeit"

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in ihrer Neujahrsansprache die Chancen unterstrichen, die mit den nach Deutschland kommenden Flüchtlingen verbunden sind. "Richtig angepackt ist auch die heutige große Aufgabe des Zuzugs und der Integration so vieler Menschen eine Chance von morgen", sagte Merkel in ihrer am Mittwoch vorab veröffentlichten Rede. "Es steht völlig außer Zweifel, dass der Zuzug so vieler Menschen uns noch einiges abverlangen wird. Das wird Zeit, Kraft und Geld kosten."

Man müsse aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. "Von gelungener Einwanderung aber hat ein Land noch immer profitiert." Angesichts des Zulaufs für Fremdenfeinde appellierte Merkel an den Zusammenhalt der Gesellschaft: "Es kommt darauf an, dass wir uns nicht spalten lassen. Nicht in Generationen. Auch nicht sozial und nicht in Alteingesessene und Neubürger."

"Es kommt darauf an, denen nicht zu folgen, die mit Kälte oder gar Hass in ihrem Herzen ein Deutschsein allein für sich reklamieren und andere ausgrenzen wollen", mahnte sie. Deutschland solle weiter ein Land bleiben, "in dem wir selbstbewusst und frei, mitmenschlich und weltoffen sind".

Ausdrücklich bedachte sie die Menschen, die sich für andere Menschen einsetzen. "Ich danke den unzähligen freiwilligen Helfern für ihre Herzenswärme und ihre Einsatzbereitschaft, die immer mit diesem Jahr 2015 verbunden sein werden", so Merkel. Sie danke aber auch den hauptamtlichen Helfern, Polizisten, Soldaten sowie Mitarbeitern der Behörden im Bund, in den Ländern und in den Kommunen.

Deutschland habe "noch immer von Einwanderung profitiert"

Es sei zwar eine "besonders herausfordernde Zeit, in der wir leben", sagte die Kanzlerin. Merkel wiederholte aber ihren Satz, den sie in der Flüchtlingskrise im Sommer geprägt hatte: "Wir schaffen das, denn Deutschland ist ein starkes Land."

Zur Integration der Flüchtlinge sagte die Kanzlerin, "unsere Werte, unsere Traditionen, unser Rechtsverständnis, unsere Sprache, unsere Gesetze, unsere Regeln" seien die "Grundvoraussetzung für ein gutes, ein von gegenseitigem Respekt geprägtes Zusammenleben aller". Merkel erinnerte zugleich daran, dass Deutschland von "gelungener Einwanderung" wirtschaftlich und gesellschaftlich noch immer profitiert habe.

Die Kanzlerin versicherte, dass die Fluchtursachen bekämpft würden und so die Zahl der Flüchtlinge "dauerhaft spürbar" verringert werden solle. Auch werde mit Partnern daran gearbeitet, den Schutz der EU-Außengrenzen zu verbessern. Merkel hob aber angesichts des Krieges in Syrien und der "bestialischen Morde" der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) erneut hervor, dass es "selbstverständlich" sei, den Menschen zu helfen und die aufzunehmen, die in Deutschland Zuflucht suchen.

Die Neujahrsansprache der Kanzlerin wird in diesem Jahr erstmals online auch mit arabischen und englischen Untertiteln gezeigt. Die Weihnachtsansprache von Bundespräsident Joachim Gauck ist bereits mit arabischen und englischen Untertiteln verfügbar.


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ts/ler/dpa/AFP

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