Sonntag, 9. Dezember 2018

Kanzler-Airbus muss auf dem Weg zum G20-Gipfel nach schwerem technischen Defekt umdrehen Flugkapitän rettet Angela Merkel und Olaf Scholz aus dramatischer Lage

Kanzler-Airbus "Konrad Adenauer" in der Nacht auf dem Flughafen Köln-Bonn: Die Maschine musste auf dem Weg zum G20-Gipfel umdrehen. Weite Teile eines für den Flugbetrieb dringend benötigten Elektroniksystems waren ausgefallen

Sie wollten zum G20-Gipfel fliegen. Doch ein schwerer technischer Defekt der Regierungsmaschine zwang Angela Merkel und Vizekanzler Olaf Scholz in der Nacht zum Abbruch des Flugs. Offenbar nur Dank des Könnens des Flugkapitäns konnte die Maschine unbeschadet in Köln landen. Berlin lässt einen möglichen kriminellen Hintergrund des Zwischenfalls prüfen.

"Es war eine ernsthafte Störung", sagte Merkel nach dem Zwischenfall am frühen Freitagmorgen in Bonn, wo sie wegen des Abbruchs der Reise nach Buenos Aires die Nacht verbrachte.

Am Freitagmorgen gegen 4.30 Uhr wollten Merkel und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD), der mit ihr reiste, mit einer anderen Maschine der Flugbereitschaft der Luftwaffe nach Madrid und von dort mit einem Linienflug nach Buenos Aires weiterfliegen.

Die in Berlin gestartete Maschine des Typs A340-300 hatte nach etwa einer Stunde Flugzeit über den Niederlanden umkehren müssen. Der Flugkapitän sprach von einem technischen Problem, das den Ausfall einiger elektrischer Systeme bewirkt habe. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollen weite Teile eines für den Flugbetrieb dringend benötigten Elektroniksystems ausgefallen sein.

Im Video: Merkel-Flieger nach Buenos Aires schafft es nur bis Bonn

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Bild: REUTERS

Berlin lässt kriminellen Hintergrund prüfen

Einem Zeitungsbericht zufolge lässt die Bundesregierung nun einen möglichen kriminellen Hintergrund des Zwischenfalls prüfen. Die durch eine elektronische Störung in dem Airbus vom Typ A340-300 ausgelöste Landung in Köln/Bonn werde kriminalistisch aufgearbeitet, berichtet die "Rheinische Post" am Freitag online unter Berufung auf Sicherheitskreise. In Regierungskreisen hieß es demnach, nach einem solchen Vorfall werde in "alle Richtungen" ermittelt.

Der von Merkel als "erfahrenster Flugkapitän der Flugbereitschaft" bezeichnete Pilot soll laut "Rheinischer Post" von einem beispiellosen Ausfall des Kommunikationssystems gesprochen haben. So etwas sei nicht für möglich gehalten worden, hieß es demnach in Sicherheitskreisen.

Der "Spiegel" schreibt, nur mit dem Satellitentelefon an Bord sei es der Crew gelungen, Kontakt zur Flugleitstelle aufzunehmen und die Landung auf dem Flughafen in Köln-Bonn zu planen. Die Situation sei so brenzlig gewesen, dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) schon nach dem Komplettausfall der Funkanlage informiert wurde.

Geplante Treffen mit Trump und Xi jetzt unsicher

Die Organisation des Linienflugs von Madrid aus gestaltete sich kompliziert, zusammen mit Entourage und Personenschützern musste Platz für mehr als ein Dutzend Personen an Bord besorgt werden. Für Freitag geplante bilaterale Treffen am Rande des Gipfels, etwa mit US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping, kommen wegen der verspäteten Anreise Merkels zunächst nicht zustande.

Offen war, ob die Termine während des G20-Treffens, das bis Samstag dauern soll, nachgeholt werden können. Vor Ort vertreten wurde Merkel von ihrem Gipfel-Sherpa Lars-Hendrik Röller und Finanz-Staatssekretär Wolfgang Schmidt. Wegen des Defekts verpasste Merkel auch das traditionelle G20-"Familienfoto" sowie wichtige Beratungen der Staats- und Regierungschefs.

In Argentinien wurde die Frage aufgeworfen, wie es sein könne, dass das Technologieland Deutschland solche massiven Probleme habe, eine funktionierende Regierungsflotte zu unterhalten. Schließlich war es nicht die erste Panne in jüngster Zeit mit einer deutschen Regierungsmaschine.

Flugzeuge der Bundesregierung bereiten immer wieder Probleme. Erst Mitte Oktober gab es eine größere Panne mit der "Konrad Adenauer". Nagetiere hatten die Maschine während eines Stopps in Indonesien lahmgelegt und Scholz zu einer über 20-stündigen Rückreise per Linie von der Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) über Hongkong und Zürich gezwungen. Mäuse oder Ratten waren in den geparkten Airbus gelangt und hatten wichtige Kabel angeknabbert.

Somit wurde Scholz nun zum zweiten Mal binnen sechs Wochen Leidtragender eines Defekts mit einem Langstrecken-Airbus, von denen die Flugbereitschaft nur zwei Maschinen zur Verfügung hat.

rei/dpa

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