Dienstag, 30. August 2016

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Schwarz-grüne Pläne zur neuen Altersvorsorge Die Deutschlandrente - ein Geschenk für die junge Generation?

Sichere Bank im Ruhestand: Die Deutschlandrente braucht keine teuren Fondsmanager, sondern nur einen Computer

Kurz vor Weihnachten kam aus Hessen eine Geschenkidee an die junge Generation in Deutschland - die Deutschlandrente. In der FAZ vom 23.12.2015 schlugen die drei Landesminister Tarek Al-Wazir (Grüne, Wirtschaft), Thomas Schäfer (CDU, Finanzen) und Stefan Grütter (CDU, Soziales) einen neuen Weg in der Altersvorsorge vor. Doch hinter dem klangvollen Namen könnte sich ein Danaergeschenk verbergen.

Im Kern soll die Deutschlandrente (bisher fehlen eben die Details) offenbar ein Substitut für die betriebliche Altersvorsorge und privaten Sparformen wie die Riesterrente sein - wohl nicht verpflichtend, aber als "Opt-out"-Variante, wer sie nicht will, kann sich also dagegen entscheiden. Das Sparvehikel soll ein eigenständiger Fonds unter dem Dach der gesetzlichen Rentenversicherung sein, welcher gemäß bestimmter Regeln relativ frei investieren darf - die Autoren sprechen von einem höheren Aktienanteil "als viele derzeitige Altersvorsorgeprodukte".

Christian Hagist
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    Christian Hagist ist Professor für Generationen-übergreifende Wirtschaftspolitik an der WHU - Otto Beisheim School of Management.
Dass diese bisherigen Altersvorsorgeprodukte stark durch den Gesetzgeber gebremst sind, beispielsweise in Aktien zu investieren, verschweigen die Autoren, aber das war auch nicht ihr Thema.

Politisch scheint man hier zu versuchen, ein schwarz-grünes Thema auf Bundesebene auszuprobieren. Ökonomisch ist es ein interessanter Vorschlag in Richtung echter Kapitaldeckung in der Altersvorsorge. In der deutschen Debatte wird das Mischungsverhältnis von Umlagefinanzierung (die gesetzliche Rentenversicherung), in welcher die junge Generation für die heutigen Rentner bezahlt, und Kapitaldeckung (Aktien, Immobilien, bestenfalls weltweit gestreut) leider immer mit der Privatisierung der Altersvorsorge gleichgesetzt.

Verwaltungskosten klein halten - und damit Rendite steigern

Die Deutschlandrente zeigt hier wohltuend, dass es auch anders ginge - etwas, was in der amerikanischen Diskussion schon sehr viel länger etabliert ist. Aufgrund der bestehenden Strukturen könnten Verwaltungskosten klein gehalten werden - und damit steigt die Rendite der Sparer.

Die Gretchenfrage ist nun, wie diese Rendite erzielt werden kann - und hier muss der Vorschlag deutlich kritisiert werden.

Die drei Landesminister schauen in den hohen Norden und wollen sich am Beispiel des norwegischen Generationenfonds orientieren. Dieser gilt in der Finanzwelt als vorbildlich geführt. Aus meiner Sicht ist dies aber der falsche Weg. Denn ein gemanagter Fonds unter dem Dach der Rentenversicherung geht mit nicht vernachlässigbaren politischen Risiken einher, was sich negativ auf die Nachhaltigkeit und Rendite der Ersparnisse auswirkt. Gerade die grüne Partei hat sicherlich genügend gut gemeinte Ratschläge, welche Aktien der Fonds kaufen darf und welche Aktien, sagen wir mal, problematisch sind.

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