Freitag, 20. Oktober 2017

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Abgasskandal Hat der Verkehrsminister Porsche geopfert?

Eine Behörde des Verkehrsministerium schönte offenbar den Abgasprüfbericht zum Porsche Macan - und Minister Dobrindt soll schon Anfang 2016 davon gewusst haben

Verkehrsminister Dobrindt gerät weiter unter Beschuss. Das ihm unterstellte Kraftfahrtbundesamt hat offenbar auf Geheiß der Autoindustrie Prüfberichte zum Abgasskandal geschönt. So soll Dobrindt schon Anfang 2016 von Porsches Abschalteinrichtung gewusst haben. Jetzt spiele der Minister Porsche als "Bauernopfer" aus, sind die Grünen überzeugt.

Wann wusste Verkehrsminister Dobrindt was über den Abgasskandal? Die Frage stellt sich nach einem Pressebericht immer dringender. Denn laut "Bild" hat das dem Minister unterstellte Kraftfahrtbundesamt (KBA) auf Betreiben der Autoindustrie Untersuchungsberichte zum Abgasskandal geschönt. Das geht aus der Korrespondenz zwischen KBA und Herstellern hervor, die der Zeitung in Auszügen vorliegt.

Danach habe die Unterbehörde des Verkehrsministeriums bereits vor mehr als einem Jahr festgestellt, dass Porsche mit Abschalteinrichtungen für seine Diesel-Motoren arbeitet.

Das frühzeitige Herunterfahren der Abgasreinigungsraten beim Porsche Macan sei "nach Vorschrift als Abschalteinrichtung zu sehen", heißt es in der Ursprungsversion des Prüfberichts. Nach Intervention des Herstellers sei das geändert worden. Im Endbericht stehe: "Dies kann nach Vorschrift als eine Veränderung des Emissionsverhaltens des Abgassystems gesehen werden."

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Grünen-Vizefraktionschef Oliver Krischer wertete die Korrespondenz als klares Indiz dafür, dass Verkehrsminister Dobrindt (CSU) schon im Frühjahr 2016 gewusst hat, dass Porsche eine illegale Abschaltvorrichtung bei seinen Autos einsetzt. "Damals wurde vertuscht. Jetzt spielt Minister Dobrindt Porsche als Bauernopfer aus, damit er nicht mit dem Abgaskartell in Verbindung gebracht wird", sagte Krischer.

Im Dieselskandal hat Porsche europaweit rund 21.500 Fahrzeuge vom Typ Cayenne Diesel mit 3-Liter-Motor zurückgerufen, um ein Software-Update zu installieren. Den Rückruf Dobrindt angeordnet. Zudem verhängte der Minister ein Zulassungsverbot für dieses Fahrzeug.

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Dass das Kraftfahrtbundesamt für seinen Beitrag zum "Bericht der Untersuchungskommission Volkswagen" mit den Herstellern "Gespräche geführt und technische Fragen erörtert" habe, bestreite das Verkehrsministerium dem Bericht zufolge nicht. Ein solches Prozedere sei aber "international üblich und notwendig", erklärte das Ministerium.

rei/afp

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