Montag, 18. Dezember 2017

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Rückrufe, Nachrüstungen, Millionen für saubere Autos Das sind die Highlights des Diesel-Gipfels in Berlin

Autobosse zum Rapport angetreten (von rechts): Verbandschef Matthias Wissmann, BMW-Konzernvorstand Harald Krüger, Daimler-Chef Dieter Zetsche, Volkswagen-Konzernchef Matthias Mueller, VW-Markenchef Herbert Diess, Audi-Chef Rupert Stadler (verdeckt)

Diesel-Gipfel in Berlin, die Erwartungen an die Spitzen der deutschen Autoindustrie und Vertreter der Politik waren hoch. Lesen Sie in unserem Minutenprotokoll, was bei der Veranstaltung passiert und tatsächlich herausgekommen ist.

Den Diesel-Gipfel in Berlin hat manager magazin online am Mittwoch mit einem laufend aktualisierten News-Ticker begleitet. Wenn Sie die Ereignisse des Tages chronologisch nachvollziehen wollen, klicken Sie gleich in den 4. Teil und starten dort die Lektüre. Einen schnellen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse erhalten Sie am besten, wenn Sie in diesem Teil bleiben, weiter unten etwa bei 17 Uhr einsteigen und sich nach oben vorarbeiten. Wir wünschen eine informative Lektüre!

18.20 Uhr: Jetzt kommt die Frage nach den Kosten der Umrüstmaßnahmen. VDA-Chef Wissmann erklärt, dass sein Verband mit Kosten von 500 Millionen Euro für die Software-Updates, vulgo: Rückrufe, rechne. VW-Chef Müller betont noch einmal, dass es lediglich Software-Eingriffe geben werde. Den Einbau neuer Hardware, also von physischen Bauteilen, in die betroffenen Diesel-Fahrzeuge, halte Müller für ausgeschlossen, sagt er.

Im Video: Politik und Industrie ringen sich zu Dieselpakt durch

18.15 Uhr: Zum Schluss kommen noch warme Worte von den Top-Leuten der Autoindustrie. BMW-Chef Krüger erklärt: "Wir sind uns des Ernstes der Lage sehr bewusst". Laut Krüger führte man heute "anstrengende, aber sehr konstruktive Gespräche." Und der BMW-Boss weist auch nochmal hin, dass bei BMW die Motorensoftware nicht manipuliert wird.
Auch Müller von Volkswagen findet, man konnte "sehr ausführlich und auch kritisch" über das Thema sprechen. Man sei sich bewusst, dass man Verantwortung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern habe, rüste 4 Millionen Fahrzeuge um. Die Zukunft könne man nur in einer "kooperativen" Zusammenarbeit mit Bund, Ländern und anderen Autoherstellern gestalten, meint der Volkswagen-Chef.
Und Daimler-Chef Zetsche? Auch sein Konzern wolle Besitzern älterer Euro 4-Diesel ein "Umstiegsangebot" machen, gibt er bekannt. Solche Abwrackprämien, mit denen so mancher Hersteller vermutlich verhindern will, dass ihm die Kunden in Scharen davon laufen, gibt es auch schon von BMW, Ford und Toyota. Zetsche zeigt sich zudem "zuversichtlich", dass man mit diesen Maßnahmen dem Ziel einen Schritt näher komme, die Emissionen massiv zu verringern. Den Satz hätte kaum ein Politiker schöner hinbekommen.

18.00 Uhr: Und das wichtigste Ziel des Dieselgipfels, so heißt es von Seiten der Politiker unisono, war eines: Pauschale Fahrverbote zu verhindern. Auf die Frage, ob der Dieselgipfel ein einziges drohendes Fahrverbot vermeiden könne, meint Umweltministerin Hendricks: Man habe künftig zumindest bessere Daten an der Hand, um die Richter zu überzeugen.

17.55 Uhr: Nun hat die Fragerunde begonnen. Und ausgerechnet die Autobosse schweigen dazu. Sie sitzen in der ersten Reihe und lassen Dobrindt und Seehofer die Frage beantworten, was denn nun an den Rückrufen von 5,3 Millionen Fahrzeugen neu sei. Seehofer sagt den schönen Satz: "Diese Umrüstung ist notwendig. Doch entscheidend ist, dass die alten Diesel vom Markt kommen". Neue Autos, auch Elektroautos, sollten also die alten Diesel-Stinker ersetzen.

17.50 Uhr: In den Reden der Umweltministerin und der Ministerpräsidenten wird eines klar: Sie betrachten die Umrüstungen als einen ersten Schritt, der den Stickoxid-Ausstoß um 25 bis 30 Prozent senken soll. "Manche haben sich ein Allheilmittel erwartet", stichelt Ministerpräsident Weil. Um die Luftqualität zu verbessern, muss noch mehr passieren, erklärt Weil ziemlich unverblümt in seiner Rede. Spannend ist auch: Laut Weil wurden auch der Einbau von neuen Teilen auf dem Gipfel diskutiert. Doch da habe die Autoindustrie signalisiert, dass dies nicht machbar sei. Doch "darüber muss weiter diskutiert werden", fordert Weil.

17.40 Uhr: Minister Dobrindt fasst zusammen, was vereinbart wurde: 5,3 Millionen Fahrzeuge werden umgerüstet, die Autoindustrie zahlt in einen "Mobilitätsfonds" mit einem Volumen von bis zu 500 Millionen Euro ein, Bund und Länder geben 52 Millionen Euro zusätzlich für die schnellere Umrüstung von Diesel-Bussen. Und die Autoindustrie soll ein eigenfinanziertes Programm starten, um alte Euro 4-Dieselstinker schneller von der Straße zu bekommen. That's it. Keine Kritik an den Autoherstellern, keine großen organisatorischen Änderungen. Nachtrag: In den "Mobilitätsfonds" soll die öffentliche Hand 250 Millionen Euro einzahlen, der Rest soll aus der Autoindustrie kommen. Der Fonds soll dazu dienen, in den 28 von der EU-Kommission benannten Regionen mit besonders hohen Stickoxid-Belastungen Verbesserungen zu schaffen. Dafür wird ein je nach Region "individueller Masterplan" festgelegt, wie es in den Pressematerialien heißt.

17.30 Uhr: Mit über zwei Stunden Verspätung hat die Pressekonferenz zum Diesel-Gipfel nun endlich begonnen. Auf der Bühne stehen ausschließlich Politiker: Verkehrsminister Dobrindt hält die Eingangsrede, flankiert von Umweltministerin Barbara Hendricks, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, Niedersachsens Stephan Weil und der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Die Autobosse Dieter Zetsche (Daimler), Harald Krüger (BMW) und Matthias Müller (Volkswagen) haben in der ersten Reihe Platz genommen.

17.20 Uhr: Nun also auch ein Rückruf bei BMW: Der Hersteller aus München gibt bekannt, 225.000 Euro-5-Dieselautos in Deutschland nachrüsten zu wollen. Das Update zur besseren Abgasreinigung werde für die Kunden kostenlos sein, teilte der Autokonzern am Mittwoch nach dem Dieselgipfel in Berlin mit. Darüber hinaus bietet BMW europaweit eine Art Abwrackprämie aus eigener Tasche an: Wer bis zum Jahresende einen Euro-4-Diesel oder einen noch älteren Diesel in Zahlung gibt und einen Euro-6-Diesel oder einen elektrifizierten BMW oder Mini kauft, bekommt von BMW bis zu 2000 Euro Rabatt.

16.50 Uhr: Volkswagen will einschließlich der im Abgasskandal angeordneten Rückrufe rund vier Millionen Diesel-Autos in Deutschland per Software-Update nachrüsten, sagte ein VW-Sprecher nach dem Dieselgipfel in Berlin. Das Update zur besseren Abgasreinigung werde kostenlos sein. Volkswagen muss wegen des Skandals um manipulierte Dieselmotoren ohnehin etwa 2,5 Millionen Autos umrüsten - diese sind in den vier Millionen Fahrzeugen enthalten. Bislang ist nach früheren Angaben bei etwa 1,9 Millionen Autos das Update aufgespielt.

16.40 Uhr: Ford war vorgeprescht, jetzt zieht BMW nach: Die Münchener bieten ihren Kunden mit einem Diesel-Pkw der Abgasnorm Euro 4 oder älter beim Kauf eines neuen BMW eine "Umweltprämie" von bis zu 2000 Euro. Die Aktion bis Ende des Jahres dauern. Die Prämie werde nicht mit staatlichen Kaufanreizen verrechnet. BMW wolle die Prämie modellabhängig gewähren. Kunden müssen demnach ihren alten BMW beim Händler in Zahlung geben und einen Elektro-, Hybrid- oder Diesel-Neuwagen der Marke BMW oder Mini kaufen. Ford versprach diese Woche Käufern bis zu 8000 Euro. Und zwar für jeden Diesel - auch fremder Hersteller. Ein deutlich attraktiveres Angebot, möchte man meinen.

16.30 Uhr: Pressesprecher des VDA wagen sich in den Saal - von den Konzernchefs ist noch keiner zu sehen. Sie bestätigen, wie so oft beim VDA, das bereits Bekannte: Es wird Umrüstaktionen für 5 Millionen Autos geben, und diese sollen wohl bis Ende 2018 dauern. Warum Ford bei den freiwilligen Umrüstaktionen der Autobauer nicht dabei ist? "Da müssen Sie Ford nach den genauen Gründen fragen." Das werden wir - wenn möglich - versuchen.

16.20 Uhr: Der FDP-Parteivorsitzende Lindner sagt schon mal per Twitter, was er vom Kompromiss hält.

16.15 Uhr: Die Kosten für das Software-Upadate der 5 Millionen Diesel wollen die Konzerne selbst tragen, berichtet der Lobbyverband VDA. Das war zu erwarten. Zudem wollen sich Volkswagen, Daimler und BMW an dem geplanten Fonds "Nachhaltige Mobilität für die Stadt" beteiligen, mit dem Städte bei der Luftreinhaltung unterstützt werden sollen. Wieviel Geld die Autobauer in den Fonds einzahlen wollen, ist zur Stunde noch unklar.

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