Montag, 5. Dezember 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Gründung eines "Mittelstandsforums" AfD verspricht Mittelständlern Privilegien

AfD plant ein "Mittelstandsforum": "Unternehmer, Gewerbetreibende und Angehörige freier Berufe, die sowohl von der CDU als auch von der FDP enttäuscht sind, sollen hier eine Plattform bekommen"

Die Alternative für Deutschland will deutsche Mittelständler von CDU und FDP loseisen - und wirbt mit Privilegien. Derzeit bereiten die Euro-Verächter ein "Mittelstandsforum" vor, dass ab 2015 eingesetzt werden soll. Auch die Finanzierung soll professioneller werden.

Hamburg - Bereits am Dienstag berichtete manager magazin über zwei prominente Unterstützer, die ihre Sympathie bislang eher bedeckt hielten: Heinrich Weiss, Ex-BDI-Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender der Düsseldorfer SMS Group, will die Partei künftig etwa als Redner auf Veranstaltungen unterstützen. Hans Wall, ehemaliger Geschäftsführer des Berliner Außenwerbers Wall AG, ist sogar Mitglied geworden. Beide Unternehmer haben die AfD zudem mit einer Spende unterstützt.

Jemanden wie Heinrich Weiss als Unterstützer zu gewinnen, ist ein bemerkenswerter Coups für die junge Partei. Die AfD leidet unter ihrem Chaoten-Image, kaum jemand von Rang und Namen möchte derzeit öffentlich mit ihr in Verbindung gebracht werden. Parteichef Bernd Lucke und sein Vize Hans-Olaf Henkel wollen deshalb den wirtschaftsliberalen Flügel der Partei stärken und rechte "Querulanten" loswerden. Ein seriöser Unternehmer, dessen Firma ihr Geld zudem größtenteils im Ausland verdient, ist da ein mehr als willkommener Zugewinn.

Weiss und Wall sollen zudem keine Einzelfälle bleiben. "Wir wollen unsere Beziehungen zur Wirtschaft deutlich ausbauen", sagt Bernd Kölmel, EU-Abgeordneter und AfD-Landessprecher in Baden-Württemberg. Gerade kleine und mittlere Unternehmer seien seiner Partei gegenüber aufgeschlossen, sie stellten bereits einen großen Teil der Mitglieder.

Die AfD-Spitze gab im Sommer die Richtung vor: In einigen Landes- sowie im Bundesverband der AfD konstituieren sich seitdem die Mittelstandsforen, die ab Januar offiziell die Interessen des wirtschaftsliberalen Flügels der Partei bündeln sollen.

"Plattform für Unternehmer, die von CDU und FDP enttäuscht sind"

"Unternehmer, Gewerbetreibende und Angehörige freier Berufe, die sowohl von der CDU als auch von der FDP enttäuscht sind und deren Wirtschaftskompetenz vermissen, sollen hier eine Plattform bekommen", sagt Ulrich Wlecke, langjähriger Senior-Partner bei der Unternehmensberatung Roland Berger. Wlecke trat bei der Bundestagswahl für die AfD in Nordrhein-Westfalen an. Der Burschenschaftler, der sich früher bei den Republikanern engagierte, gehört zum Organisationsteam des Mittelstandforums und spricht von "hunderten Interessenten", die sich beteiligen wollen.

"Der Zuspruch aus der Wirtschaft ist in den letzten Monaten stark gestiegen", sagt auch Hans-Olaf Henkel, der für die AfD im Europaparlament sitzt. Bekannte Wirtschaftsführer hätten ihm gegenüber bereits ihre Sympathie bekundet. Auch Spenden seien geflossen - allerdings unter der Meldegrenze, sodass sie nicht im Rechenschaftsbericht erscheinen würden. Namen nennt der Ex-BDI-Präsident indes keine, den Unterstützern sei Anonymität zugesichert worden.

Auch wenn Henkel für gelegentliche Übertreibungen bekannt ist: Die Angst vor schlechter Presse lässt die Zahl der Sympathisanten bislang wohl in der Tat kleiner erscheinen, als sie es in Wahrheit ist. Ökonomie-Professor Max Otte, der in seinem E-Mail-Newsletter schon zur Wahl der AfD aufrief, sagt zum Beispiel, dass er Einladungen zu öffentlichen Terminen der Partei bislang ablehne. Er fürchte, "sonst in die rechte Ecke" gestellt zu werden.

Auch bisherige Geldgeber wollten bislang meist im Dunkeln bleiben: Als bekannt wurde, dass der Hamburger Reeder Folkhard Edler der AfD 500.000 geliehen hatte, zog er sich erbost zurück. August von Finck, der ebenfalls als Finanzier im Gespräch war, lässt entsprechende Anfragen bis heute unbeantwortet. In Parteikreisen kursieren zudem Namen von zwei süddeutschen Topmanagern, die angeblich der AfD zuneigten - bestätigen möchte dies keiner von ihnen.

Seite 1 von 2
Nachrichtenticker

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH