Donnerstag, 19. Juli 2018

Mieterbund warnt Mietpreisschub von bis zu 40 Prozent beklagt

Häuserzeile im Nordend von Frankfurt am Main: Weiter steigende Mieten in ausgewählten Lagen beliebter deutscher Großstädte

Die Mieten in gesuchten deutschen Großstädten steigen teils stark, in Toplagen geht es kräftig bergauf. Der Deutsche Mieterbund spricht von Preisschüben von bis zu 40 Prozent - und fordert zum Gegensteuern auf.

München - Der Deutsche Mieterbund (DMB) warnt beim 65. Mietertag an diesem Freitag in München, der deutschen Metropole mit den höchsten Immobilienpreisen, vor einer immer größeren Wohnungsnot in Groß- und Universitätsstädten. Dort fehlen nach DMB-Angaben schon heute rund 250.000 Mietwohnungen - mit teils entsprechend steigenden Preisen.

An der Entwicklung sind offenbar weniger Spekulanten als die Bundesbürger selbst verantwortlich: Grund für die Knappheit ist nach Angaben des Mieterbunds nicht zuletzt die hohe Zahl an Single-Haushalten. Die Gesamtzahl der Haushalte stieg zwischen 2002 und 2010 von 38,7 auf 40,3 Millionen. Nach Prognosen der Bundesregierung werden es im Jahr 2025 schon 41,1 Millionen sein. Das hat Folgen.

Der Mieterbund hält eine Leerstandsquote von 3 Prozent als "Fluktuationsreserve" für notwendig. In Hamburg stünden aber nur 0,7 Prozent der Wohnungen leer, in München 0,6 Prozent. "Das ist eine Entwicklung, die ich in mehr als 20 Jahren nie kennengelernt habe", sagte Rips. Bei Neuvermietungen lägen sie zum Teil bis zu 40 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete.

Der Mieterbund fordert jetzt eine Obergrenze für die Erhöhung bei Neuvermietungen von 10 Prozent des bisherigen Mietpreises. Bei bestehenden Mietverhältnissen soll die Miete nach dem Willen des DMB um höchstens 15 Prozent in vier Jahren steigen können.

Zahl der Zwangsräumungen steigt

Schon heute gäben die Deutschen im Schnitt 34 Prozent ihrer monatlichen Ausgaben für die Wohnung aus - Tendenz steigend. "Wir brauchen deutlich mehr Wohnungsneubau, vor allem Wohnungen im mittleren und unteren Preissegment, mehr Mietwohnungen und mehr Sozialwohnungen", forderte Rips und kritisierte einen schleppenden Neubau von Mietwohnungen in Ballungsgebieten. In München hätten rund 5000 Menschen mit Anspruch auf eine Sozialwohnung kein Zuhause und müssten in Notunterkünften oder bei Freunden auf dem Sofa schlafen. Auch die Zahl der Zwangsräumungen steigt nach DMB-Angaben. Konkrete Statistiken gebe es aber nicht. "München ist ein Zentrum der problematischen Wohnungsmarktentwicklung in Deutschland", sagte Rips.

Es gebe aber auch die gegenläufige Entwicklung in einigen ländlichen Gebieten. Je weiter man aufs Land komme, desto mehr Wohnungen stünden leer. Die Mieten gehen dort entsprechend in den Keller. Das gelte für Landkreise in Ostdeutschland ebenso wie für die Region Wilhelmshaven in Niedersachsen oder Gelsenkirchen im Ruhrgebiet, Deutschlands größtem Ballungszentrum vor dem Raum Berlin. "Wo die Arbeitsplätze sind, fehlen Wohnungen. Wo es genug Wohnungen gibt, fehlen Arbeitsplätze", beklagte die Geschäftsführerin des bayerischen DMB-Landesverbandes, Monika Schmid-Balzert, die Situation.

Zu der öffentlichen Kundgebung des Mietertages am Freitag wird neben Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück erwartet.

kst/dpa

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH