Mittwoch, 1. Juli 2015

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Städte-Vergleich "Viele Städte müssen sich ernste Sorgen machen"

Skyline von Essen mit den Zentralen von RWE (l.), RAG (2.v.r.) und Fortis: "Andere Städte würden sich die Finger nach den großen Unternehmen lecken"

Ein Riss geht durch Deutschland: Das Städteranking des HWWI weist wachsende Unterschiede der Wirtschaftsstandorte auf. Unternehmensberater Björn Bloching verweist auf die Sonderstellung Essens als Motor des Ruhrgebiets - und sagt, was schwächelnde Städte von Essen lernen können.

mm: Nach dem neuen Städteranking des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) hat Essen als Wirtschaftsstandort einen Satz unter die Top-Ten-Städte im Land gemacht. Überrascht Sie das?

Björn Bloching: Nein, und das freut mich natürlich auch. Gerade der Mittelstand in Essen hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Mehr und mehr Unternehmen stellen sich dem internationalen Wettbewerb und haben so den Strukturwandel vorangetrieben. Zudem blieb Essen auch verschont von Existenzkrisen großer Unternehmen - wie etwa der von Opel, die die Nachbarstadt Bochum sehr hart trifft. Im Gegensatz dazu durfte sich Essen vor einigen Jahren über den Zuzug von ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen freuen, als das Unternehmen von Düsseldorf 2010 heim nach Essen kehrte. Essen wird immer mehr zu wirtschaftlichen Motor für das Ruhrgebiet.

mm: RWE Börsen-Chart zeigen, Evonik, Eon Ruhrgas oder Steag: Essen ist eine Konzernstadt und stolz darauf. Aber bedeutet das nicht auch ein Klumpenrisiko für den Wirtschaftsstandort?

Bloching: Ja, man muss sicherlich derzeit mit etwas mehr Vorsicht auf die großen Energieunternehmen schauen, die in Essen ihren Sitz haben. RWE oder Eon Ruhrgas erleben wegen der Energiewende schwierige Zeiten. Es lässt sich derzeit noch nicht ganz absehen, wohin ihre Reise geht. Ich bin hier aber sehr optimistisch - übrigens auch für ThyssenKrupp, das trotz seiner aktuellen Probleme eine Perle der deutschen Industrie bleiben wird.

mm: Aber dass die Konzerne in Essen künftig eher schrumpfen als wachsen werden, scheint doch relativ sicher zu sein.

Bloching: Natürlich tut die Stadt gut daran, sich auch darauf vorbereiten, ein etwaiges Schrumpfen der Großunternehmen mit neuen Strukturen zu kompensieren. Grundsätzlich gilt aber: Andere Städte würden sich die Finger nach den großen Unternehmen lecken, die in Essen beheimatet sind.

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