Sonntag, 16. Dezember 2018

Deal ausgeschlagen Wulff will sich vor Gericht verantworten

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff: Klärung der Vorwürfe vor Gericht angestrebt

Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat das Angebot der Staatsanwaltschaft Hannover zur Einstellung der Korruptionsermittlungen gegen eine Geldauflage abgelehnt. Wulff muss nun mit einer Anklage rechnen. Auch ein zweiter Beschuldigter in der Wulff-Affäre will den Prozess riskieren.

Berlin - Christian Wulff hat die ausgestreckte Hand der Staatsanwaltschaft Hannover ausgeschlagen, er will das Verfahren gegen ihn nicht gegen Geldauflage einstellen lassen. Der ehemalige Bundespräsident wolle vielmehr die vollständige Einstellung des Verfahrens erreichen, teilten seine Anwälte am Dienstag mit. Ziel sei es, Wulff komplett zu rehabilitieren und zu entlasten, hieß es in einer Erklärung, welche die Anwälte verlasen. "Wulff hat sich nichts zuschulden kommen lassen", hieß es darin. "Das Verfahren ist ohne Wenn und Aber einzustellen."

Gleichzeitig wurde bekannt: Mit Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat auch der Filmproduzent David Groenewold das Angebot der hannoverschen Staatsanwaltschaft abgelehnt, die Korruptionsermittlungen gegen Zahlung einer Geldauflage einzustellen. "Schon vor Einleitung der Ermittlungen haben wir stets betont, dass sich unser Mandant nichts vorzuwerfen hat", sagte Anwalt Christian-Oliver Moser am Dienstag. Demzufolge hätte Wulff 20.000 Euro und Groenewold 30.000 Euro zahlen sollen, damit beide einer Anklage entgehen.

Kern des Ermittlungsverfahrens wegen Bestechlichkeit waren Wulffs Beziehungen zu vermögenden Freunden in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident. Angesichts der Vorwürfe war Wulff im Februar vergangenen Jahres als Bundespräsident zurückgetreten.

Einige Vorwürfe sind inzwischen fallengelassen worden, zuletzt ging es nur noch um die Bezahlung eines Hotelaufenthalts beim Münchener Oktoberfest 2008. Filmproduzent David Groenewold hatte für das Ehepaar Wulff Kosten in Höhe von 754 Euro übernommen, nach eigener Aussage ohne Wulffs Wissen. Kurz danach setzte sich Wulff in einem Schreiben an Siemens-Chef Peter Löscher für ein Filmprojekt Groenewolds ein.

kst/afp/dpa

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