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27.03.2013
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Kommunen im Energiepoker
Wer wagt, verliert

Von Nils-Viktor Sorge und Karsten Stumm

Steinkohlekraftwerk Voerde von Steag: Die Hoffnungen der Kommunen wurden vielerorts enttäuscht
dapd

Steinkohlekraftwerk Voerde von Steag: Die Hoffnungen der Kommunen wurden vielerorts enttäuscht

In Thüringen kaufen Stadtwerke gerade den örtlichen Strom- und Gasversorger von Eon, Politiker feiern den Deal. Warum? Vielen Kommunen haben ihre Engagements zuletzt nur zusätzliche Schulden gebracht, manchen raubt es gar die letzte Chance zu Investitionen in die Stadtinfrastruktur.

Hamburg - Für seine Aktionäre hatte Eon-Chef Johannes Teyssen zuletzt ausnahmsweise mal eine positive Nachricht parat: "Unser ursprüngliches Ziel von 15 Milliarden Euro haben wir schon deutlich übertroffen", bejubelte er den Erfolg seines groß angelegten Programms zum Verkauf von Unternehmensanteilen.

Dies sei aber keinesfalls dadurch gelungen, dass Eon Chart zeigen mehr Firmenanteile abgebe als geplant, "sondern dadurch, dass unser M&A-Team eben ganz besonders erfolgreich tätig war." Mit anderen Worten: Seine Verkaufstruppe holte erheblich mehr Geld raus als erwartet.

Für die Bürgermeister Hunderter Kommunen in Thüringen haben Teyssens Worte damit einen faden Beigeschmack. Hat Eon im Rahmen des Programms doch gerade einen 38-Prozent-Anteil am örtlichen Versorger Thüringer Energie für knapp 950 Millionen Euro an einen Zusammenschluss von Kommunen verkauft - der Preis galt schon vor Teyssens Einlassung als deutlich überteuert. Abschrecken lassen sich die Beamten in den Kommunen aber offenbar nicht.

Nicht nur in Thüringen wächst die Lust von Städten und Gemeinden, sich stärker selbst in das Geschäft mit Strom, Gas und Netzen einzuschalten. Stadtwerke schließen sich zusammen und bauen Kraftwerke im großen Stil. Dörfer und Landkreise bestimmen verstärkt bei regionalen Versorgern mit, und in Berlin und Hamburg trommeln Bürger für den Rückkauf der Stromnetze. Doch damit steigen mitunter auch die Risiken für die kommunalen Haushalte.

Steag - Alptraum für NRW-Stadtwerke

Über einen Kamm lassen sich all diese Fälle nicht scheren - Motive, Mechanismen und auch die Erfolgsaussichten sind überall anders gelagert. Gemein haben jedoch viele der bisherigen Engagements, dass sich manche Hoffnung rasch zerschlagen hat. Und Leidtragende sind zumindest indirekt die Bürger mancher ohnehin hoch verschuldeter Kommune.

Beispiel Steag: Ende 2010 kaufte ein Konsortium von sechs Stadtwerken aus dem Ruhrgebiet einen 51-Prozent-Anteil an dem Versorger, der vorher vollständig zum Mischkonzern Evonik gehört hatte. Die Ziele waren groß: "Unser Ziel ist es, die Steag im Inland zur größten kommunalen Erzeugungsplattform sowohl im konventionellen als auch im regenerativen Bereich auszubauen", frohlockte der damalige Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke Duisburg, Hermann Janning.

Die Realität sieht heute eher trüb aus. Angesichts wachsender Mengen von Solar- und Windstrom im Netz laufen die Steag-Kraftwerke seltener als gewünscht, manchen Blöcken droht das vorzeitige Aus. Der Gewinn sank im vergangenen Jahr unerwartet um knapp ein Drittel.

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