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04.02.2013
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Sexismus-Debatte
Jetzt ist die Scheinheiligkeit der Politik-Journalisten offenbar

Von Hasso Mansfeld

Reichstag in Berlin: Unerwünschte Nähe von Politik-Journalisten zu Politikern
REUTERS

Reichstag in Berlin: Unerwünschte Nähe von Politik-Journalisten zu Politikern

Der Streit zwischen "Stern"-Journalistin Himmelreich und FDP-Politiker Brüderle taugt nicht als Startschuss für eine generelle Sexismusdebatte. Wozu die Hotelbaraffäre jedoch sehr wohl taugt, ist sie zu einer Debatte über zu großer Nähe von Journalisten und Politikern zu nutzen.

Hamburg - Ist das alles nur ein Sexismus-Missverständnis? Warum wird ausgerechnet das Trauerspiel zwischen der "Stern"-Redakteurin Laura Himmelreich und dem FDP-Spitzenpolitiker Rainer Brüderle zu einer Debattenaufführung über Sexismus in Deutschland? Hier geht es doch um etwas anderes.

Für einen eindeutigen Fall von Sexismus muss eine Abhängigkeit und ein Missbrauch der Stellung, beziehungsweise der körperlichen Überlegenheit, des Täters gegenüber dem Opfer vorliegen. Das ist hier eindeutig nicht der Fall. Dadurch, dass ein vergleichsweise harmloser Fall als "Trigger" für eine Sexismusddebatte genommen wurde, ermöglicht man vielmehr genau das gegenteil dessen, was Frau (und Mann) mit dieser Debatte eigentlich erreichen wollte - nämlich der Fraktion der Grabscher und Chauvis auf breiter Bühne zu agitieren. Die können jetzt Ihrerseits den Casus Himmelreich/Brüderle aufgreifen und zur Verharmlosung von Sexismus instrumentalisieren.

Wozu die Hotelbaraffäre jedoch sehr wohl taugen würde, wäre sie zum Beginn einer Debatte von zu großer Nähe von Journalisten und Politikern zu nutzen. Denn gerade die politischen Redakteure, die sich gerne als die Elite ihrer Zunft betrachten, wird nur allzu häufig mit den Fingern auf ihre Kollegen etwa aus den Wirtschaftsredaktionen gezeigt, denen sie mangelnde Distanz zum Objekt der Berichterstattung vorwerfen. Besonders hervor getan hat sich dabei die Journalisten Vereinigung Netzweck Recherche die 2007 einen Thesenkatalog zum schlechten Zustand des deutschen Wirtschaftsjournalismus veröffentlich haben.

Und jetzt? Was zeigt der Fall Himmelreich/Brüderle? Die größte und deshalb besonders abzulehnende Nähe zu ihren Berichtszielen haben offenbar ausgerechnet Politikredakteurinnen und Politikredakteure. Also jene, die sich so scheinbar aufrichtig in Szene setzen - und dafür andere Journalisten öffentlich herabwürdigen.

Jede Distanz und damit auch Professionalität verloren

Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit, dass die Politikkollegen, die da bisher so gewaltig austeilten, einen Thesenkatalog zum schlechten Zustand des deutschen Politikjournalismus veröffentlichen. Müsste darin nicht auch die Frage auftauchen, ob es angebracht ist, dass Journalisten im selben Flugzeug reisen wie Kanzler oder Minister? Die Reisekosten für die Jetstrecken werden ja vom Objekt der Berichterstattung übernommen, den Politikern. Unerhört, eigentlich. Doch die Mitnahme in der Kanzlermaschine gilt unter der Politikjournalistenschar auch noch als Prestigesache. Unabhängigkeit wird so nicht gefördert.

Ähnliches gilbt für die - bei den Politikjournalisten - so beliebten Busreisen mit Ministerpräsidenten über das Land. Tagelang hocken da Politiker und Journalisten zusammen schreiben von einander ab und machen es sich in direkter Nähe zu ihrem Betrachtungsobjekt bequem.

Die Hotelbaraffäre Himmelreich/Brüderle mach eines ganz deutlich: Politik und Journalismus sollten sich immer in professioneller Distanz begegnen. Wer sich jedoch seinem Objekt der Berichterstattung in privater Atmosphäre nähert handelt unprofessionell, es sei denn er ist auf investigativer Mission und hat sonst keine Möglichkeit des Kontakts.

Genauso unprofessionell handelt derjenige, der mit seinem Gegenüber mit dem er in professioneller Beziehung steht, zu flirten versucht. Die Verquickung von Beruflichem und Privatem, von Profession und Emotion, führt zwangsläufig zu Konflikten. Denn bei der Profession müssen sich die beiden Gesprächspartner völlig abgegrenzt gegenüberstehen. Wer sich jedoch emotional auf sein Gegenüber einlässt muss wissen, dass er damit ein großes Risiko eingeht und am Ende unangenehme Konsequenzen zu fürchten hat.

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Zur Person

Hasso Mansfeld ist Kommunikationsberater, FDP-Kommunalpolitiker und Kolumnist in mehreren deutschen Zeitungen.









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