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05.01.2013
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Neues Boomjahr
Deutschland leidet am eigenen Solarerfolg

Förderung gekappt, Ausbau nur unwesentlich verzögert: Deutschland erlebte 2012 weiteres Rekordjahr im Solaranlagenausbau
DPA

Förderung gekappt, Ausbau nur unwesentlich verzögert: Deutschland erlebte 2012 weiteres Rekordjahr im Solaranlagenausbau

Union und FDP wollten mit einer Förderkürzung den Solarzubau in Deutschland dämpfen. Trotzdem hat es wieder einen Rekord gegeben: Nie wurden so viele Solaranlagen hierzulande installiert wie 2012 - für Deutschlands Bürger und Unternehmen bringt der Boom Zusatzkosten. Mitten in der Krise.

Berlin - Eigentlich hatte sich das Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) anders vorgestellt. Den Solarboom wollte er dämpfen, denn ein zu hohes Tempo kann die Förderkosten der Verbraucher und Unternehmen treiben, die den Drang in die erneuerbaren Energien über ihre Stromrechnung bezahlen müssen. Ende Juni einigte sich Altmaier dann auch mit den Bundesländern darauf, dass bei einer installierten Leistung von 52.000 Megawatt Schluss sein soll mit der Förderung von Solaranlagen. Doch auch der Solardeckel konnte nicht verhindern, dass 2012 schon wieder ein deutsches Solarrekordjahr wurde.

Wurden im Jahr 2010 noch Anlagen mit rund 7000 Megawatt Leistung installiert und im Jahr 2011 dann 7500 Megawatt zog der Ausbau in 2012 kaum gebremst auf 7630 Megawatt installierter zusätzlicher Solarleistung an. Zwar geht der neuerliche Rekord auch auf das Konto eines monatelangen Gezerres von Amtsvorgänger Norbert Röttgen (CDU) mit den Ländern. Aus Sorge vor drastischen Kürzungen wurde dadurch im Frühjahr den Zubau neuer Anlagen beflügelt. Der anvisierte Korridor von 2500 bis 3500 Megawatt pro Jahr wurde letztlich um mehr als Doppelte übertroffen.

Energieexperte Holger Krawinkel von der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte schon Ende Juni den Kompromiss von Bund und Ländern als "Kompromiss zulasten Dritter" bezeichnete. Er fürchtete, dass die Abmilderung der ursprünglich geplanten - vom Bundesrat aber gestoppten - Kürzungen zu einem massiven Zubau führen würde.

Sieht er sich nun bestätigt? "Tja, auf uns Verbraucherschützer hört die Politik ja selten", sagt er. Allein in den vergangenen drei Jahren seien nun rund 22.000 Megawatt an neuer Solarleistung installiert worden. "Damit wird die schwarz-gelbe Bundesregierung als die erfolgreichste Solarregierung in die Geschichte eingehen, aber zugleich auch als diejenige mit den höchsten Strompreissteigerungen."

Ausbau wird in den kommenden Jahren wohl nicht teurer

Allerdings ist das Problem zu komplex, um Union und FDP allein dafür verantwortlich zu machen, gerade auch die von SPD und Grünen regierten Länder hatten drastischere Schritte - etwa einen jährlichen Deckel für die Förderung - abgelehnt. Die Grünen hatten Altmaiers Vorgänger Röttgen wegen seiner Kürzungen schon als Totengräber der Solarindustrie bezeichnet. In seiner Amtszeit wurden dennoch so viele neue Anlagen installiert wie unter keinem Umweltminister zuvor.

Dass dennoch mehrere große Solarunternehmen in die Insolvenz schlitterten, liegt schlicht amruinösen Preiswettkampf der Konkurrenz aus China - und an fehlenden anderen großen Absatzmärkten. Zugleich ist das Kostensenkungspotenzial bei der Solarenergie enorm, noch vor wenigen Jahren wurden über 40 Cent Vergütung je Kilowattstunde für eine Dachanlage gezahlt. Nun sind es nur noch rund 17 Cent - und noch immer ist das höchst lukrativ. Es ist sicher ein Signal, wenn US-Investorenlegende Warren Buffett nun für rund 1,9 Milliarden Euro das weltgrößte Solarprojekt in Kalifornien übernimmt. Sein Riecher für die richtige Investition ist schließlich legendär.

Die deutsche Branche braucht dringend neue Absatzmärkte, damit die Überkapazitäten abgebaut werden können, denn der deutsche Boom neigt sich wegen des 52.000-Megawatt-Deckels dem Ende zu. Erreicht sind jetzt schon 32.400 Megawatt. Zum Vergleich: Die neun noch laufenden Atomkraftwerke haben eine Leistung von rund 12.600 Megawatt. Sie erzeugen aber mehr als drei Mal so viel Strom wie die inzwischen 1,3 Millionen Solaranlagen, weil die Sonne halt nicht immer scheint. Zugleich hat der Solarstrom merklich die Einkaufspreise für Strom gesenkt - aber es fehlen Speicheroptionen für überschüssigen Strom.

Bleibt das jetzige Tempo bestehen, dürfte schon Ende 2015 Schluss sein mit der Solarförderung. Je näher die Grenze von 52.000 Megawatt rückt, desto stärker dürfte sich das Tempo beschleunigen, da alle sich noch die auf 20 Jahre garantierte Förderung sichern wollen. In Deutschland hat die Solarenergie die Unterstützung der Bürger für die Energiewende gestärkt, weil viele Nutznießer sind. Allerdings zahlen gerade Mieter bisher die Vergütungen mit, ohne direkt davon zu profitieren. Wenn zudem immer mehr Bürger wegen steigender Preise den Sonnenstrom zum Eigenverbrauch nutzen, scheiden sie als Mitzahler der Ökostrom-Umlage aus. So droht, dass sich die Lasten auf weniger Schultern verteilen. Das kann die Stromkosten weiter belasten.

Verbraucherschützer Krawinkel betont, dass beim Solarbereich kaum noch etwas zu ändern sei. Als positiv an Altmaiers Kompromiss lobt er, dass es jeden Monat bei zu hohem Ausbautempo automatisch weitere Förderkürzungen gibt. "Es wird in den nächsten Jahren nicht sehr viel teurer", schätzt er. Im gerade gestarteten Jahr 2013 werden wohl rund zehn Milliarden Euro nur an Vergütungen für Solarstrom verteilt. Das größte Kostenrisiko wird künftig von der Windkraft auf See ausgehen - denn hier werden höhere Anfangsvergütungen als bei der Solarenergie gezahlt, bei einem weit höheren Stromertrag und entsprechend hohen Ausschüttungen. "Daher muss dringend bei der Offshore-Windenergie das Tempo rausgenommen werden, sonst droht hier genau das gleiche", betont Krawinkel.

von Georg Ismar, dpa

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