Montag, 27. April 2015

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Tarifverhandlungen Wirtschaftsforscher und Gewerkschafter positionieren sich

Beliebte Forderung: 6,5 Prozent mehr Gehalt verlangt nun auch die Gewerkschaft Verdi für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder

Der Poker um die im Januar beginnenden Tarifrunden hat begonnen. Wobei für den DGB und Verdi klar ist: die 6,5 muss stehen. Uneins sind sich indes die Institute: Während ZEW-Chef Wolfgang Franz nur Spielraum für maximal zwei Prozent mehr Lohn sieht, würde sich DIW-Chef Gert Wagner über vier freuen.

Berlin - Arbeitnehmer haben an Weihnachten beim Wunsch nach deutlichen Lohnerhöhungen Unterstützung vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bekommen. Dessen Vorstandsvorsitzender Gert Wagner regte in einem dapd-Gespräch Abschlüsse von "im Durchschnitt vier Prozent oder mehr" an. Dies sei "sinnvoll, um die Binnennachfrage anzukurbeln und so die extrem ausgeprägte Exportabhängigkeit zu mindern".

Zurückhaltender gegenüber der Agentur äußert sich der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, ZEW-Chef Wolfgang Franz. Er riet zu einer "beschäftigungsfreundlichen Tariflohnpolitik". Der "gesamtwirtschaftliche Verteilungsspielraum" belaufe sich im Jahr 2013 auf rund zwei Prozent.

Allerdings könne sich dieser Verteilungsspielraum in den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich darstellen, fügte der Chef der sogenannten Wirtschaftsweisen hinzu. Es sei Sache der Tarifvertragsparteien, auf dieser Grundlage eine Lohnpolitik zu betreiben, "die zur Schaffung neuer, wettbewerbsfähiger Arbeitsplätze beiträgt".

"Die Tarifparteien sollten endlich mal mutig sein"

In der "Rheinischen Post" mahnte Franz überdies, die Tarifvertragsparteien sollten diesen Verteilungsspielraum jedoch "nicht ganz ausschöpfen". Damit werde ein Beitrag zur Schaffung neuer Arbeitsplätze geleistet. Der Chef der "Wirtschaftsweisen" fügte hinzu: "Zur Vollbeschäftigung ist es noch ein gutes Stück des Weges."

DIW-Chef Wagner forderte hingegen: "Die Tarifparteien sollten endlich mal mutig sein." Die Lohnpolitik habe "lange Zeit die möglichen Verteilungsspielräume, die sich aufgrund der Produktivitätssteigerungen und der Teuerung ergeben, nicht ausgeschöpft". Auch im ablaufenden Jahr seien die Lohnabschlüsse gemessen an der Produktivitätsentwicklung moderat gewesen.

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