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19.12.2012
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Wirtschaftskraft im Süden
"München ist kosmopolitisch und provinziell"

Von Gisela Maria Freisinger

München: "Die nördlichste Stadt Italiens"
DPA

München: "Die nördlichste Stadt Italiens"

München ist ein Topstandort für die Wirtschaft: Münchens Oberbürgermeister Christian Ude spricht über die Qualitäten der bayerischen Metropole, konjunkturabhängige Feierfreudigkeit und über Bayerns verschiedene Stämme.

mm: Herr Ude, was macht München so attraktiv für die Industrie und Ihre Topleute?

Ude: Der vorhandene Branchenmix mit großen Produktionsbetrieben und Global Playern, starker Versicherungswirtschaft und vielen IT-Unternehmen, traditionell starkem Handwerk und wachsendem Tourismus sowie einer höchst bedeutsamen Kreativwirtschaft. Für die Topleute dürften die hervorragenden Ausbildungsangebote, die Exzellenz-Universitäten, das vielseitige Kulturangebot und der hohe Freizeitwert der Region eine Rolle spielen.

mm: Früher hieß es, München sei die Hauptstadt der Halbseidenen. Stimmt das noch?

Ude: Zunächst eine Klarstellung: "Hauptstadt der Halbseidenen" heißt ja nicht, dass diese Stadt den Halbseidenen irgendwann gehört hätte, sondern nur, dass die Halbseidenen sich hier besonders gern tummeln. Das ist sicher heute noch so, vor allem in der Immobilienbranche, aber es gibt keine bundesweit beachteten Playboys und Klatschkolumnisten mehr.

mm: Dann kam das Bonmot dazu: "Mit Laptop und Lederhose". Hat der Laptop genug Speicherplatz für die ganze Bandbreite der München Aficionados?

Ude: Dieser Spruch wurde übrigens bei der Eröffnung der Münchener Messe von Bundespräsident Roman Herzog erfunden und wie so vieles später von der CSU annektiert. Die Problematik ist meistens nicht die Kapazität des Laptops, sondern die Bandbreite der User.

mm: Ist auch noch genug Leben in der Lederhose?

Ude: Für Liebesgrüße aus der Lederhose bin ich nicht zuständig.

mm: Michael Käfer, der Caterer, der quer durch die Oberschicht seine Häppchen verteilt, hat kurz vor dem Oktoberfest verkündet, dass in München nicht mehr öffentlich gefeiert wird. Gibt es nur noch trübe Tassen in der heimlichen Hauptstadt, die doch eigentlich ihr Lustimage hochhält und bei jeder Gelegenheit gern darauf hinweist, die nördlichste Stadt Italiens zu sein?

Ude: Die Feierfreude war immer schon mode- und konjunkturabhängig, einige Festivitäten haben sich bestimmt totgelaufen, aber die kulturellen Aktivitäten sind ungebrochen. Die "nördlichste Stadt Italiens" hat übrigens nichts mit Szenen-Partys zu tun, sondern mehr mit "Deutschlands Rom".

mm: Sind Sie auch in der Verweigerung angekommen?

Ude: Welcher Verweigerung denn? Was mich schon in der Jugend fasziniert hat, tut es immer noch und was mir damals schon zu oberflächlich war, ist es jetzt erst recht.

mm: Werner Sombart beweist in seinem Klassiker "Liebe, Luxus und Kapitalismus" schlüssig, dass die moderne Welt aus dem Geist der Verschwendung entstanden ist. Heute muss fast überall gespart werden und die die noch im Glück des Überfluss' schwelgen dürfen, verstecken ihn tunlichst. Wie sieht das der Oberbürgermeister?

Ude: Derart geistreichen Menschen soll man nicht ins Handwerk pfuschen. Im Übrigen gibt es da mehr regionale als temporäre Unterschiede: Der Oberbayer hat immer schon "sei Sach'" gerne hergezeigt und tut dies auch heute noch, der Hanseat beispielsweise war da immer schon zurückhaltender - und ist es auch heute noch.

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Zur Person

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    dapd
    Christian Ude ist seit 1993 Oberbürgermeister der bayerischen Landeshauptstadt München.

Mehr zum Thema in

Heft 1/2013

München
Über die geballte Wirtschaftskraft im Süden lesen Sie mehr im Heft ab Seite 140.









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