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13. Dezember 2012, 07:28 Uhr

Impact Investing

Mit gutem Gewissen investieren

Von Dirk Wohleb

Impact Investing verspricht die etwas andere Art der Geldanlage. Nicht allein die Rendite steht im Vordergrund, Investoren verfolgen bestimmte ökologische und soziale Ziele. Die neue Anlageklasse hat Wachstumschancen.

Hambuerg - Direkt Kindergärten unterstützen oder Kindern in Entwicklungsländern eine Schulausbildung zu ermöglichen - viele Investoren wollen ihr Geld gezielt für eine gute Sache investieren. Der Kreis der Interessenten beschränkt sich nicht nur auf eine kleine Zahl von hoch vermögenden Philanthropen wie Bill Gates oder Warren Buffet, die Stiftungen gründen, um ihr milliardenschweres Vermögen für die gute Sache zu verwenden.

Laut einer Umfrage interessieren sich 15 Millionen Bundesbürger für eine Geldanlage, die neben wirtschaftlichen Zielen auch ökologische und soziale Intensionen verfolgt. Dabei zeichnet sich ein neuer Trend ab: direkte Investitionen in Sozialunternehmen. Diese neue Bewegung macht unter dem Stichwort "Impact Investment" von sich reden. "Die Atomkatastrophe von Fukushima hat bei vielen Menschen noch einmal ein Umdenken ausgelöst und das Interesse an ökologisch und ethischen Geldanlagen verstärkt", sagt Christof Lützel, Pressesprecher der GLS Bank.

Ist das nur eine neue Verpackung für nachhaltige Investments? "Nein", sagt Melinda Weber, Expertin und Beraterin für Impact Investments in München. "Die Wirkung von nachhaltigen Investments ist oft indirekt. Bei Impact Investment steht dagegen das direkte Investieren in Form von Beteiligungen oder Darlehen in Sozialunternehmen im Vordergrund".

Während bei nachhaltigen Investments beispielsweise die Vermeidung von C02-Emissionen oder Kinderarbeit das Ziel ist, will Impact Investing gesellschaftliche Herausforderungen direkt angehen und lösen. Dabei beteiligen sich Anleger an sozial-motivierten Unternehmen, die eine positive gesellschaftliche Wirkung erzielen wollen. Das Spektrum ihrer Aktivitäten ist breit gefächert: Es reicht vom Aufbereiten von Schmutzwasser in Entwicklungsländern über den Bau von Schulen bis zur Integration von Behinderten ins Arbeitsleben.

Neue Anlageklasse mit Wachstumschancen

Nach einer Studie von JP Morgan handelt es sich bei Impact Investment nicht um eine Eintagsfliege oder einen Modetrend, sondern sogar um eine neue Anlageklasse. Das Investmentvolumen könnte nach den Prognosen der Studie in den kommenden acht Jahren ein Volumen von bis zu einer Billion Dollar erreichen.

Investoren können auf unterschiedlichstem Art und Weise investieren: In Frage kommen Darlehen, Kredite oder Beteiligungen zum Beispiel in Form von Private Equity oder Venture Capital. Vor allem für Stiftungen ist Impact Investing interessant: Sie können damit das Kapital direkt in Unternehmen investieren, die dem Stiftungszweck entsprechen. Neben direkten Beteiligungen besteht auch die Möglichkeit, Anteile an geschlossenen Fonds zu kaufen:

Der Social Venture Fund ist einer der wenigen geschlossenen Fonds in Deutschland, die direkt in Sozialunternehmen investieren. Allerdings müssen Anleger mindestens 500.000 Euro investieren. Dabei steht die soziale und weniger die finanzielle Rendite im Vordergrund: Ziel ist ein möglichst großer gesellschaftlicher Nutzen bei gleichzeitigen realem Kapitalerhalt oder sogar eine moderate finanzielle Rendite.

Unterstützung für hochbegabte Menschen mit Autismus

Der Social Venture Fund beteiligt sich zum Beispiel am Berliner Unternehmen Auticon. Dabei bekommen hochbegabte Menschen mit Autismus die Chance, ihre Fähigkeiten in der IT-Branche anzuwenden. Dafür erhalten sie eine spezielle Ausbildung, genauso wie die Kunden von Auticon gecoacht werden. So wird eine Integration von Menschen mit Autismus in die Arbeitswelt möglich.

Ein weiteres Beispiel ist das Unternehmen Verbavoice, das die Kommunikation für Hörgeschädigte verbessern möchte. Das Unternehmen entwickelt ein System zur Erkennung und Darstellung von Sprache in Echtzeit. Dabei übermittelt ein Mobiltelefon oder ein internetfähiges Endgerät das Gesprochene in Textform an hörgeschädigte Menschen. Das verbessert ihre Chancen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Noch ist der Markt für Impact Investments relativ neu und nicht sehr stark entwickelt. Einen Überblick bietet die Datenbank Impact Assets 50 der Calvert Stiftung. Dabei werden die wichtigsten Asset Manager in dem noch jungen Sektor vorgesellt. Das Ratingsystem "Global Impact Investing Rating System" (GIIRS) nimmt nicht nur einzelne Sozialunternehmen unter die Lupe, sondern analysiert auch die Fonds.

Mit einem wachsendem Markt sinken die Kosten für Anleger

Tatsache ist aber: Das Angebot für Investments in Sozialunternehmen ist noch klein. Es braucht noch Zeit, bis sich Standards und Benchmarks durchgesetzt haben: "Je stärker sich der Markt entwickelt, desto mehr Produkte kommen auf den Markt. Dann sinken auch Kosten sowie Mindestanlagesummen und die Vergleichbarkeit der Produkte nimmt zu."

Zu den Vorreitern von ökologischen und ethisch nachhaltigen Investments gilt die GLS-Bank in Bochum. Als erste Bank überhaupt erhielt das Geldhaus aktuell die Auszeichnung als "Deutschlands nachhaltigstes Unternehmen".

Die Bank gibt den Kunden seit 1974 die Möglichkeit selbst zu entscheiden, wie ihre Spareinlagen zum Einsatz kommen. Die Sparer können wählen zwischen ökologischer Landwirtschaft, regenerative Energien, Bildung und Kultur. Immerhin 56 Prozent der Einlagen werden als Kredite zielgerichtet in Projekte investiert. Diese Quote soll in den kommenden Jahren auf 75 Prozent steigen.

Die vergebenen Kredite veröffentlicht die Bank regelmäßig in einem Kreditspiegel. Die Sparer investieren dabei nicht direkt in ein bestimmtes Sozialunternehmen, aber sie können zumindest die Branche und die Richtung vorgeben, wie Christof Lützel von der GLS-Bank betont: "Die Menschen wollen nicht nur grünen Strom, sondern auch ihr Geld direkt in sinnvolle Projekte investieren", sagt Lützel. Er hält den Trend für "nicht mehr umkehrbar."


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