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12. Dezember 2012, 14:10 Uhr

Bahn bestätigt

Stuttgart 21 wird mindestens 1,1 Milliarden Euro teurer

Die Deutsche Bahn rechnet mit einer Kostenexplosion beim Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21". Mindestens 1,1 Milliarden Euro zusätzlich sind für den Umbau erforderlich. Damit erhöht sich der Finanzaufwand auf 5,6 Milliarden. Überdies spricht die Bahn von weiteren Risiken in Höhe mehrerer Hundert Millionen Euro.

Berlin - Das Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21" verteuert sich nach Angaben der Deutschen Bahn AG um mindestens 1,1 Milliarden Euro. Der Kostendeckel solle daher von bislang 4,5 auf nunmehr 5,6 Milliarden Euro aufgestockt werden, sagte Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer nach einer Aufsichtsratssitzung am Mittwoch und bestätigte damit Medienberichte.

Kefer sagte, die Bahn wolle die 1,1 Milliarden Euro übernehmen. Das Projekt könne auf dieser Basis fortgesetzt werden. Ein Ausstieg aus dem Bau des unterirdischen Bahnhofs und der Anbindung an die Schnellbahnstrecke wäre nicht vertragskonform und würde überdies zwei Milliarden Euro kosten

Grundlage der neuen Kostenplanung ist ein Sechs-Punkte-Programm, das im April dieses Jahres vom Bahn-Vorstand gestartet worden und zuvor öffentlich angekündigt war. Wesentliche Bestandteile dieses Programms waren die Überprüfung der Kostenbasis, die Erarbeitung von Einsparpotentialen sowie die Entwicklung optimierter Ablaufprozesse und neuer Projektstrukturen. Dabei wurde die Deutsche Bahn durch ein externes Beraterkonsortium unterstützt.

Die Bahn habe dem Aufsichtsrat zwar vorgeschlagen, die Mehrkosten zu übernehmen. Nach Angaben aus dem Gremium ist darüber allerdings noch keine Entscheidung gefallen. Stattdessen soll eine weitere Sitzung einberufen werden.

Kefer sagte weiter, es gebe über diese Kostensteigerung hinaus weitere Risiken im Umfang von mehreren hundert Millionen Euro.

Kostensteigerungen waren erwartet worden

Über die Kostensteigerung war bereits seit mehreren Wochen spekuliert worden. Als problematisch galten dabei Unsicherheiten beim Brandschutz, beim Grundwasser und beim Verkauf der oberirdischen Gleisflächen.

Der Bund und das Land Baden-Württemberg hatten bereits klargemacht, dass sie sich nicht an Mehrkosten beteiligen werden. "Die Bahn muss jetzt Farbe bekennen und klar sagen, wie die weiteren Kostenrisiken aussehen und diese auch übernehmen", sagte ein Sprecher des baden-württembergischen Verkehrsministeriums bereits Anfang Dezember.

Von Landesseite komme jedenfalls kein Geld mehr, betonte er. So habe das Kabinett ganz klar beschlossen, dass sich das Land an Mehrkosten über die 4,5 Milliarden Euro hinaus nicht beteiligen werde. Derzeit beträgt der Anteil Baden-Württembergs an dem Projekt 930 Millionen Euro.

krk


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