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12. Dezember 2012, 12:07 Uhr

Schulen und Unis

Staat zahlt 110 Milliarden Euro für Bildung

Die Bildungsausgaben in Deutschland steigen. 110 Milliarden Euro werden Bund, Länder und Gemeinden in diesem Jahr für Kindergärten, Schulen und Hochschulen ausgeben. Damit liegt die Bundesrepublik aber noch immer unter dem OECD-Durchschnitt.

Wiesbaden - Die öffentlichen Bildungsausgaben steigen im laufenden Jahr voraussichtlich auf die Rekordsumme von mehr als 110 Milliarden Euro. Bund, Länder und Gemeinden haben damit 4,7 Milliarden Euro mehr für Bildung veranschlagt als 2011, wie das Statistische Bundesamt in seinem am Mittwoch veröffentlichten Bildungsfinanzbericht 2012 feststellt.

Endgültige Zahlen gibt es erst für das Jahr 2009. Die öffentlichen sowie die privaten Ausgaben für Bildung, Forschung und Wissenschaft betrugen damals 224,8 Milliarden Euro, das waren 9,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). 2010 machte das Budget nach vorläufigen Berechnungen ebenfalls 9,5 Prozent des BIP aus. Ziel ist es, die Ausgaben für Bildung und Forschung bis 2015 auf zehn Prozent des BIP anzuheben.

Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland bei den Ausgaben für Kindergärten, Schulen, Hochschulen und die Berufsbildung nach wie vor hinterher. Rund 126,4 Milliarden Euro gaben öffentliche und private Träger dafür 2009 aus. Das waren 5,3 Prozent des BIP und damit deutlich weniger als im OECD-Durchschnitt mit 6,2 Prozent.

Wirtschaft beunruhigt über Leistungstests

Erst am Dienstag hatten zwei Studien ergeben, dass Deutschlands Grundschüler im weltweiten Vergleich von rund fünfzig Staaten ihren Platz im oberen Leistungsdrittel knapp verteidigen konnten. Nach wie vor ist aber der Bildungserfolg extrem abhängig von der sozialen Herkunft. Beim Lesen, Rechnen und auch in den Naturwissenschaften gibt es zu wenig Spitzenschüler in Deutschland. Und bis zu jedes fünfte Kind gilt als "Risikoschüler", das mit seinen Leistungen hinterher hinkt.

Die Ergebnisse der neuen Grundschulstudien IGLU und TIMSS beunruhigen die deutsche Wirtschaft. "Es bereitet mir Sorge, dass bereits am Ende der Grundschule jeder sechste Schüler nicht ausreichend lesen und jeder fünfte nicht ausreichend rechnen kann", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Hans-Heinrich Driftmann, dem "Handelsblatt". Solche Defizite würden selten aufgeholt. Die Unternehmen wollten junge Leute zu qualifizierten Fachkräften ausbilden, aber "sie müssen darauf vertrauen können, dass dafür in der Schule die notwendigen Grundlagen gelegt werden".

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt lobte die insgesamt gute Leistung der Grundschulen, kritisierte aber die fehlenden Fortschritte bei der Entkoppelung von sozialer Herkunft und Schulleistung. Er forderte den schnelleren Ausbau der frühkindlichen Bildung und der Sprachförderung. Zudem sei "leider ausgerechnet in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern der Anteil an schwachen Leistungen mit 22 Prozent am höchsten."

krk/dpa


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