Samstag, 28. März 2015

Immigration Bulletin aus Bedburg-Hau

Einwanderungswelle: Griechische Ärztinnen in Deutschland
Fotos
Franz Bischof

Deutschlands Kliniken beschäftigen immer mehr ausländische Ärzte. Besonders aus dem krisengeschüttelten Griechenland zieht es neuerdings viele Mediziner in hiesige Hospitäler. Warum eigentlich?

Man soll ja nichts überstürzen, manche Dinge müssen reifen, zumal, wenn es um die Planung der Karriere und des Lebens schlechthin geht. Aber wer wartet schon fünf lange Jahre auf eine Stelle zur Facharztausbildung? Aikaterini Angeli jedenfalls nicht.

Und so kam die 31-jährige Griechin nach Bedburg-Hau. Bedburg wo? Die Gemeinde liegt am Niederrhein, im Kreis Kleve, die holländische Grenze ist nah, Düsseldorf weit, exakt 77,2 Kilometer Luftlinie.

Seit Juli 2011 arbeitet Angeli in der psychiatrischen Klinik des Ortes, die der Landschaftsverband Rheinland betreibt. Sie ist dort eine unter vielen ausländischen Ärzten. Die kommen zum Beispiel aus Polen, Rumänien, Bulgarien, Russland und Syrien; die ärztliche Direktorin der Klinik ist aus Tschechien zugezogen.

Die Einwanderungswelle, über die manager magazin in der aktuellen Ausgabe in einem großen Report berichtet, hat längst auch Deutschlands OP-Tische, Therapeutenliegen und Notaufnahmestationen erreicht.

Deutsche Mediziner meiden das platte Land

Vor allem die Krankenhäuser am Rande der Städte bedienen sich auswärtiger Doctores. Die Rekrutierungspraxis ist aus der Not geboren: Deutsche Mediziner meiden meist solche Jottwede-Gegenden. Kein attraktives Umfeld, heißt es oft. Das hat Frau Angeli nicht gestört. Sie wollte unbedingt Psychiatrie-Fachärztin werden, nachdem sie im November 2010 ihr Studium in Athen abgeschlossen hatte.

Das Problem: In Griechenland werden deutlich mehr Ärzte ausgebildet als die Kliniken benötigen. Obwohl, wie Angeli sagt, "die Eingangsprüfungen an den Unis sehr schwierig" seien. Wer es nicht schafft, weicht oft nach Rumänien aus und kehrt für die Facharztausbildung wieder nach Griechenland zurück: "So verschärft sich die Jobsituation noch".

Erschwerend kommt hinzu, dass etliche griechische Kliniken sich mit der Gehaltszahlung Zeit lassen. Ärzte müssen zum Teil mehrere Monate auf ihr Geld warten.

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