Sonntag, 29. März 2015

Energieverbraucher-Lobby "Stromanbieter kassieren 2,1 Milliarden Euro zuviel"

Und dreht und dreht und dreht: Manchen Stromkunden wird angesichts steigender Preise schwindelig

Zum Jahreswechsel steigen die Strompreise um durchschnittlich 12 Prozent - offizielle Begründung: höhere Kosten durch die Energiewende. Als milliardenschwere Abzocke werten dagegen der Bund der Energieverbraucher und Bundesumweltminister Peter Altmaier die Aufschläge.

Berlin - Die Stromkonzerne nutzen die Energiewende nach Darstellung des Bundes der Energieverbraucher dazu, ihre Kunden schamlos abzukassieren. Mit den für das kommende Jahr angekündigten Strompreiserhöhungen verlangen sie 2,1 Milliarden Euro von ihren Kunden mehr als ihr Kostenanstieg rechtfertigen würde, wie Berechnungen des Verbandes laut "Bild"-Zeitung ergaben.

Demnach wäre nur die Hälfte der angekündigten Preiserhöhungen von im Durchschnitt 12 Prozent angemessen. "Die Konzerne rechnen sich mit den Mehrkosten durch die Energiewende raus", sagte Verbandschef Aribert Peter der Zeitung.

Tatsächlich haben die Großversorger Eon Börsen-Chart zeigen (8,7 Prozent) und RWE Börsen-Chart zeigen (8 bis 9 Prozent) Preiserhöhungen angekündigt, die deutlich unter dem Durchschnitt liegen. Bei EnBW beträgt das Plus gut 10 Prozent; Spitzenreiter bei den Konzernen ist Vattenfall mit etwa 13 Prozent. Dagegen langen besonders einige Regionalversorger wie die ostdeutsche Firma enviaM kräftig zu. Dort stiegen die Tarife um bis zu 16 Prozent auf mehr als 30 Cent pro Kilowattstunde.

FDP plant Energie-Wahlkampf

Unterdessen erneuerte Wirtschaftsminister Philipp Rösler in einem Interview der Illustrierten "Super-Illu" seine Forderung, zur Begrenzung des Strompreisanstieges das Fördersystem für erneuerbare Energien radikal umzugestalten, und zwar noch vor der nächsten Bundestagswahl. Zudem habe die FDP vorgeschlagen, die Stromsteuer kostenneutral zu senken. "Diese Lösung verhindert die Union", bemängelte Rösler.

Der FDP-Vorsitzende signalisierte, dass seine Partei die Energiewende zu einem zentralen Thema ihres Bundestagswahlkampfes machen will. "Schließlich braucht jeder von uns täglich Strom", sagte er. Und der müsse zuverlässig fließen und bezahlbar bleiben.

Auch Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat die geplanten Strompreiserhöhungen in Deutschland als teilweise ungerechtfertigt kritisiert. "Viele Stromversorger liegen mit ihrer Erhöhung deutlich über der Erhöhung der Erneuerbaren-Energien-Umlage", sagte Altmaier.

"Das ist schwer zu verstehen, weil die Börsenstrompreise seit dem letzten Jahr auf breiter Front gesunken sind", betonte der Minister mit Blick auf die Einkaufspreise, die dank mehr Wind- und Solarstrom zum Teil deutlich gesunken sind. Etwa drei Viertel der Stromkunden müssen vom kommenden Jahr an tiefer in die Tasche greifen - rund 600 Versorger wollen die Preise erhöhen.

nis/rtr/dpa

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