Freitag, 28. April 2017

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Statistisches Bundesamt Jedem Sechsten droht Armut

Wenn das Geld knapp ist: Statistisch arm ist, wer nicht mehr als 952 Euro im Monat zum Leben hat

Das Risiko, in Deutschland zu verarmen, wächst seit Jahren. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes ist jeder sechste Deutsche gefährdet. Laut einer aktuellen Credit-Suisse-Studie sind zudem vor allem in Europa auch die Vermögen zuletzt gesunken. Nur die Chinesen werden immer reicher.

Berlin/Wiesbaden - Das Armutsrisiko in Deutschland steigt immer weiter. Rund 12,8 Millionen Menschen - das sind 15,8 Prozent der Einwohner - waren nach jüngsten Zahlen armutsgefährdet. Besonders betroffen sind Alleinerziehende und ihre Kinder. In dieser Gruppe war mehr als jeder Dritte armutsgefährdet (37,1 Prozent), teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit.

Die Nationale Armutskonferenz beklagte eine Armutsspirale. "Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer und die Politik schaut weitgehend tatenlos zu", sagte ihr Sprecher Thomas Beyer.

Als armutsgefährdet galt nach Angaben der Statistiker, die Zahlen aus dem Jahr 2010 präsentierten, wer nach Beanspruchung staatlicher Leistungen weniger als 11.426 Euro im Jahr oder 952 Euro im Monat zum Leben hatte. Die Daten werden seit 2005 erhoben. Damals lag die Quote der Armutsgefährdeten noch bei 12,2 Prozent. Seitdem stieg sie kontinuierlich. 2009 erreichte sie 15,6 Prozent.

Frauen häufiger betroffen als Männer

Frauen (16,8 Prozent) sind dabei häufiger von Armut betroffen als Männer (14,9 Prozent). Die Armutsquote von Minderjährigen lag 2010 mit 15,6 Prozent leicht unter dem Bundesdurchschnitt. Bei den älteren Menschen ab 65 Jahren lag der Wert mit 14,2 Prozent noch niedriger.

Arbeitslose in Deutschland sind nach 2011er-Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat zu 67,8 Prozent von Armut bedroht. Sie stehen damit schlechter da als Erwerbslose im Rest der Europäischen Union.

"Die Bundesregierung muss sich fragen lassen, wie es möglich ist, dass in wirtschaftlich erfolgreichen Zeiten immer mehr Bürger arm werden", kritisierte der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, Wolfgang Stadler.

Ein "Schattenbericht" der Nationalen Armutskonferenz verweist darauf, dass in Deutschland inzwischen fast jeder Vierte im Niedriglohnsektor arbeitet und 7,6 Millionen Menschen (9,3 Prozent der Bevölkerung) staatliche Leistungen zur Sicherung ihres Existenzminimums beziehen. Die Armutskonferenz - ein Zusammenschluss von Sozial- und Wohlfahrtsverbänden sowie Gewerkschaften - verlangt deshalb unter anderem gesetzliche Mindestlöhne, höhere Regelsätze und Förderprogramm gegen Wohnungsnot.

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