Deutschlandmanager magazin RSS  - Deutschland

Alle Artikel und Hintergründe


12.09.2012
Twitter GooglePlus Facebook

Freie Wähler
Profiteure der Euro-Angst

Von Cornelia Knust, München

Warnt vor Enteignung des kleinen Mannes: Hubert Aiwanger in einem niederbayerischen Bierzelt
dapd

Warnt vor Enteignung des kleinen Mannes: Hubert Aiwanger in einem niederbayerischen Bierzelt

Die Freien Wähler, eine kleine konservative Partei mit kommunalen Wurzeln, will nicht nur in Bayern nächstes Jahr den Königsmacher spielen. Mit der Angst der Deutschen um ihr Geld glaubt sie, auch im Bund Stimmen fangen zu können.

München - Es ist ein holzgetäfelter Sitzungsraum im "Haus der Bayerischen Wirtschaft". Hier finden sonst Jahrespressekonferenzen statt oder Podiumsdiskussionen des Arbeitgeberverbands. Doch an diesem Montag geht es gespenstisch zu. Vom Podium verkündet ein eher unauffälliger Mann von Anfang 40 mit stark niederbayerischem Akzent den Untergang der Demokratie, die Enteignung des kleinen Mannes und bevorstehende Armutsrevolten.

Hubert Aiwanger, Vorsitzender der Freien Wähler, spricht so, dass man sich in einen Bierkeller der zwanziger Jahre zurückversetzt fühlt. Erst eine Pressekonferenz, dann eine Veranstaltung "Euro oder Demokratie". Erzeugt wird in beiden eine Atmosphäre von Angst und Untergang. Die Finanzeliten seien dabei, in Deutschland die Macht zu übernehmen. Es sei erstaunlich, mit welcher Disziplin sich "die deutsche Zivilgesellschaft zur Schlachtbank tragen" lasse.

Allein seine Partei (die "Linke" erwähnt er gar nicht) stemme sich dagegen, dass die Banken die Steuerzahler in Haftung nähmen, nur sie schütze die Sparguthaben der kleinen Leute. Renten auf Hartz IV-Niveau und Gesundheitsbehandlung nur noch gegen cash - so malt Aiwanger die Zukunft der Deutschen, wenn der vom Bundesverfassungsgericht gebilligte Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) im Wechselspiel mit der Europäischen Zentralbankerst seine desaströse Wirkung entfalte.

Euro als einziges Thema bei der Bundestagswahl

Die Freien Wähler, die in Bayern bei der Landtagswahl 2008 rund 10 Prozent der Stimmen erzielten und derzeit in Umfragen bei 8 Prozent liegen, haben ihre Wurzeln zwar im ländlichen Raum, wollen sich aber mit einer beachtlichen Zahl von Bürgermeisterposten nicht mehr begnügen. Im bayerischen Landtag, wo sie die drittstärkste Fraktion stellen, wollen sie nächstes Jahr helfen, in einer Koalition mit SPD und Grünen die CSU-FDP-Regierung zu stürzen.

Gleichzeitig ziehen sie erstmals in den Wahlkampf für den Bundestag; mit dem Euro als einzigem Thema. Weil der grantelnde Landwirt Aiwanger da kaum punkten würde, haben sie den Adenauer-Enkel und Ex-CDU-Mann Stephan Werhahn zur Gallionsfigur erkoren. Noch liegen sie in Umfragen weit unter den nötigen 5 Prozent der Stimmen, doch nehmen sie sich den kometenhaften Aufstieg der Piratenpartei zum Vorbild.

Das Podium in München soll wohl Seriösität vermitteln. Rolf Baron von Hohenhau ist da, Präsident des Bundes der Steuerzahler in Bayern. Der zitiert unentwegt den bekannten Wirtschaftprofessor Hans Werner Sinn, Chef des Münchner Ifo-Instituts, sagt aber auch Sätze wie: "Man lügt das Volk jeden Tag an" und "Was glauben Sie, warum die Bundeswehr in einer Stadt im Osten den Häuserkampf übt?".

Beatrix von Storch, Mitglied der Bürgerbewegung "Zivile Koalition", berichtet von Demonstrationen mit Teilnehmern, die sonst noch nie auf einer Demonstration waren, und kündigt schon einmal an, dass eine "breite zivilgesellschaftliche Kampagne" bevorstehe - unabhängig vom Urteil des Verfassungsgerichts zum ESM.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH



Hintergründe, Artikel, Fakten

finden Sie auf den Themenseiten zu ...










Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarife:
Finden Sie den passenden Tarif