Freitag, 14. Dezember 2018

Negativzins Bund verdient erstmals Geld mit Staatsanleihe

Realrendite bei minus 1,76 Prozent: Wer dem Bund derzeit 10.000 Euro leiht, verliert pro Jahr nach Abzug der Inflation von 1,7 Prozent 176 Euro pro Jahr

Die Flucht in Sicherheit führt dazu, dass Anleger dem Bund eine Prämie zahlen, um ihm Geld leihen zu dürfen. Was bislang nur für Geldmarktpapiere galt, gilt nun auch für deutsche Staatsanleihen mit zweijähriger Laufzeit: Der Effektivzins ist negativ, der Bund verdient mit Schulden Geld.

Frankfurt am Main - Erstmals überhaupt verdient der Bund bei der mittelfristigen Schuldenaufnahme Geld. Was vor der Euro-Schuldenkrise Normalität war - dass Anleger also Zinsen verlangen, wenn sie dem Staat Geld leihen - wird damit zusehends ad absurdum geführt. Doch das ist mittlerweile der Preis, wenn man als Investor in den "sicheren Hafen" Deutschlands einlaufen möchte.

Eine Aufstockung einer zweijährigen Schatzanweisung ergab am Mittwoch einen Effektivzins von minus 0,06 Prozent, wie die Bundesbank in Frankfurt mitteilte. Es ist das erste Mal überhaupt, dass eine herkömmliche Staatsanleihe - also Papiere mit Laufzeiten von zwei Jahren und mehr - eine negative Rendite abwirft.

Zwar war es dem Bund bisher schon mehrmals gelungen, Schulden zum Negativzins aufzunehmen. Allerdings handelte es sich hierbei immer um kurzlaufende Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von unter einem Jahr.

Das Auktionsergebnis bedeutet, dass der Bund für die Kreditaufnahme nicht nur keine Zinsen mehr zahlen muss, sondern sogar einen Überschuss erzielt. Umgekehrt legen Anleger drauf, obwohl sie dem Bund für zwei Jahre ihr Geld leihen.

Nachfrage hoch - real zahlen Investoren noch mehr drauf

Dennoch blieb die Nachfrage nach den Anleihen robust. Das Auktionsergebnis spiegelt die Entwicklung an den Sekundärmärkten wider, wo umlaufende Staatsanleihen gehandelt werden. Hier ist die Rendite für zweijährige Staatsanleihen Deutschlands schon seit längerem negativ - eine Folge der Schuldenkrise, die die Anleger händeringend nach sicheren Anlagen suchen lässt.

Real - das heißt unter Berücksichtigung der Geldentwertung - zahlen die Investoren freilich noch viel mehr drauf. Bei einer Inflationsrate von aktuell 1,7 Prozent beträgt die Realrendite der Schatzanweisung minus 1,76 Prozent. Das bedeutet, dass ein Investor bei einem Anlagebetrag von beispielsweise 10.000 Euro pro Jahr 176 Euro verliert.

Gebühr für die Aufbewahrung privater Geldvermögen

Umgekehrt verdient der Bund: Im Fall einer veranschlagten Inflationsrate von durchschnittlich 2 Prozent ergibt sich ein Überschuss in Höhe eines hohen sechsstelligen Betrags. Diese Summe streicht der Staat für die Kreditaufnahme ein. Er verlangt also de facto eine Art Gebühr für die Vermögensaufbewahrung.

Die jüngste Versteigerung spülte dem Bund unmittelbar gut 4,17 Milliarden Euro in die Kasse. Die Differenz zum angestrebten Betrag von 5 Milliarden Euro behielt die deutsche Finanzagentur zurück, um sie wie gewöhnlich am freien Markt platzieren zu können. Hier können dann auch Kleinanleger zugreifen

la/dpa-afx

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