Mittwoch, 22. August 2018

Zinsskandal Libor-Manipulation trifft deutsche Kommunen

Zinsmanipulation: Wie Banken Städte ruinieren
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DPA

Deutsche Städte und mittelständische Unternehmen zählen zu den Opfern der Zinsmanipulation durch Großbanken. Die Fälschung von Libor und Euribor könnte sie Milliarden kosten. Vor hiesigen Gerichten haben sie aber kaum Chancen auf Entschädigung.

Hamburg - Es ist der "Skandal der Skandale" in der Bankenwelt, meint der frühere US-Sozialminister Robert Reich. Die Zeitschrift "Economist" spricht vom "Tabakmoment der Bankbranche", in Anspielung auf die 1998 geschlossene Vereinbarung, die den Tabakkonzernen 206 Milliarden Dollar Schadensersatz für Gesundheitskosten auferlegte.

Bisher hat jedoch nur die britische Barclays Börsen-Chart zeigen wegen der Manipulation von Zinssätzen im Interbankenmarkt einen Vergleich mit den Behörden geschlossen. Die Buße von knapp einer halben Milliarde Dollar dürfte aber nur der Anfang sein: Sie berücksichtigt laut US-Justizministerium den mildernden Umstand, dass Barclays den Ermittlern als Kronzeuge hilft, die Schuld der Kollegen zu beweisen.

Weltweit sind die Aufseher hinter einem guten Dutzend der größten Banken her, darunter auch der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, die als einzige neben vier britischen Instituten in allen zehn Panels sitzt, die den Londoner Interbankenzins (Libor) für verschiedene Weltwährungen festlegen.

Auch für das europäische Pendant Euribor hat Barclays zugegeben, Zahlen gefälscht zu haben. In Tokio, wo es den dortigen Tibor trifft, hofft die Schweizer UBS Börsen-Chart zeigen auf Strafnachlass für ihre Kooperation.

Die Manipulationen der "wichtigsten Zahl der Welt" - und ihre Opfer

Die mächtigsten Institutionen der Finanzwelt sind im Visier. Kaum eine Rolle spielen im Skandal dagegen bislang die Opfer des mutmaßlichen Multimilliardenschadens, darunter auch deutsche Kommunen und mittelständische Unternehmen.

Immerhin geht es laut Eigenwerbung des Britischen Bankiersverbands um "die wichtigste Zahl der Welt": Der Libor ist nicht nur eine Messzahl der Situation am Interbankenmarkt, sondern auch Richtschnur für etliche Kreditverträge, Anlagepapiere und Zinsderivate. Allein der Markt der Libor-Swaps wird auf mindestens 350 Billionen Dollar geschätzt, also ein Vielfaches der Weltwirtschaftsleistung.

Die Interbankensätze beeinflussen das Auf und Ab der Wirtschaft viel direkter als die Leitzinsen der Notenbanken. Die Schweizerische Nationalbank richtet ihre Geldpolitik offiziell auf den Dreimonats-Libor aus.

"Weil Hypotheken, Studentenkredite, Finanzderivate und andere Produkte auf Libor und Euribor beruhen, kann die Manipulation schwere negative Folgen für Verbraucher und Märkte weltweit haben", begründet das US-Justizministerium sein Vorgehen.

Allerdings haben Kreditnehmer nur dann einen Schaden, wenn die Zinsen zu hoch sind. Das war laut den Einlassungen von Barclays in den Jahren 2005 bis 2007 der Fall, dabei ging es aber stets nur um wenige Basispunkte (Hundertstel eines Prozentpunkts).

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