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14.06.2012
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Energiewende
"Die Welt schaut, wie Deutschland das Problem löst"

Von Kristian Klooß

Fernleitung und Windkraftanlage: Es geht um das Wie, nicht um das Ob
dapd

Fernleitung und Windkraftanlage: Es geht um das Wie, nicht um das Ob

Auf dem heutigen Energiegipfel in Berlin liegt erstmals auch ein Netzausbauplan auf dem Tisch. Experte Armin Schnettler erklärt, warum er im kleineren Maßstab planen würde - und warum deutsche Unternehmen von der Energiewende profitieren.

mm: Der Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, sagt über die Energiewende: Wir sind auf den ersten fünf Kilometern. Da, wo die ersten Läufer anfangen zu schwitzen. Es fehlen noch 37,195 Kilometer. Stimmen Sie dem zu?

Schnettler: Wenn es nur um die Umsetzung des Ausbaus geht, sind wir am Anfang. Wenn es aber darum geht, die Technologien zu entwickeln, sind wir bereits einen Halbmarathon gelaufen.

mm: Warum hinkt der Ausbau der technologischen Entwicklung so stark hinterher?

Schnettler: Jedes einzelne Projekt wird von den entsprechenden Behörden intensiv geprüft. Die Antragsstellung und Genehmigung ist ja nur die eine Seite. Die öffentliche Akzeptanz ist die andere. Es gibt Initiativen von Interessengruppen, Alternativvorschläge und Anhörungen, die dann auch immer wieder technologisch und finanziell bewertet werden müssen. Man sagt aus der Erfahrung, der Bau einer neuen Leitung dauert zehn Jahre plus X. Da ist der Leitungsbau der kleinste Teil. Er macht vielleicht 12 bis 24 Monate aus.

mm: Nun werden Jahr für Jahr weitere Atomkraftwerke abgeschaltet, während Monat für Monat neue Wind- und Solarparks ans Netz gehen. Wie viel Zeit bleibt da, bis der Netzausbau abgeschlossen sein muss?

Schnettler: Das ist noch offen. Die Abschaltung der Kernkraftwerke auf der einen Seite, der Ausbau er erneuerbaren Energien auf der anderen, sind zwei Effekte, die den Zeitplan des Netzausbaus vorgeben. Nach dem Netzentwicklungsplan sollen eigentlich 2017 bis 2018 die ersten Hochspannungs-Gleichstrom-Anlagen in Deutschland gebaut sein. 2022 bis 2025 sollte der Netzausbau in der ersten Stufe abgeschlossen sein - wenn die Einspeisung der Erneuerbaren so kommt wie bislang prognostiziert. Generell sind die Stromnetze kontinuierlich dem Ausbau der Kraftwerke und der Erneuerbaren Energien anzupassen.

mm: Danach sieht es derzeit nicht aus. Es hapert an der Anbindung der Windparks vor Deutschlands Küsten. Verzögert dies die gesamte Energiewende?

Schnettler: Es besteht die Gefahr, dass wir in eine Falle geraten, wenn Interessengruppen jetzt sagen, der Offshore-Wind kommt ja gar nicht, also brauchen wir auch den Netzausbau noch nicht. Denn der Ausbau der Offshore-Kapazitäten ist nicht gekoppelt an den Netzausbauplan. Wir haben bestimmte Annahmen getroffen. Und auch wenn die nun zwei oder drei Jahre später eintreten, müssen wir an unserem Plan festhalten. Es geht darum, jetzt in die Detailplanung einzusteigen und nicht wieder und wieder die Eingangsdaten in Frage zu stellen. Abgesehen davon ist es technisch gesehen auch eher so, dass die Verzögerungen beim Offshore-Wind den Ausbauplänen entgegenkommen.

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Zur Person

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    Armin Schnettler leitet das Institut für Hochspannungstechnik der RTHW Aachen, einer der weltweit führenden Forschungseinrichtungen im Bereich Hochspannungstechnik, Netztechnik und nachhaltiger Energiesysteme. Schnettler war im Zuge der Energiewende unter anderem als externer Gutachter an der Netzstudie II der Deutschen Energie-Agentur (dena) beteiligt. Die Studie untersucht verschiedene Lösungen zur Integration eines Anteils von 39 Prozent erneuerbarer Energien in das deutsche Stromsystem.









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