Donnerstag, 21. Februar 2019

Flughafen Berlin Brandenburg Wowereit: Flughafen öffnet 17. März 2013

Flughafen Berlin-Brandenburg: Eröffnung zwei Wochen nach Ostern 2013

Das Debakel um den neuen Berliner Großflughafen weitet sich aus. Die Eröffnung des größten ostdeutschen Infrastrukturprojekts verzögert sich um ein Dreivierteljahr und damit weit länger als die zuletzt angekündigten zwei Monate.

Berlin - Als Eröffnungstermin nannte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit nun den 17. März 2013, den Sonntag zwei Wochen vor Ostern. Die technischen Abläufe ließen eine frühere Inbetriebnahme nicht zu, sagte er am Donnerstag.

Der bisherige Planungschef Manfred Körtgen muss wegen der Blamage den Posten räumen, auch die Planungsfirma PG BBI wird gefeuert. Anfang Mai war die für den 3. Juni geplante Eröffnung des Großflughafens wegen Mängeln beim Brandschutz überraschend verschoben worden.

Das neue Eingeständnis trieb die Fluggesellschaft Air Berlin auf die Barrikaden. "Wir erleiden dadurch nicht nur einen wirtschaftlichen, sondern auch einen Imageschaden für unser Drehkreuz, der finanziell kaum zu beziffern ist", beschwerte sich Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn.

"Wir hätten mit sehr viel Bauchschmerzen eine Verschiebung der BER-Eröffnung auf Ende Oktober hingenommen; auch dies wäre nur mit erheblichem, nur schwer zu bewältigenden Mehraufwand möglich geworden."

Air Berlin beklagt wirtschaftliche Schäden

Die jüngste Entscheidung greife aber tief in die Geschäftstätigkeit ein. Die Verschiebung treffe Air Berlin viel härter als alle anderen Airlines, die Berlin anfliegen. Mit einem Marktanteil von rund 33 Prozent sei Air Berlin Börsen-Chart zeigen die einzige Fluggesellschaft mit einem Drehkreuz in Berlin. Mehdorn griff damit Wowereit an, der zuvor angekündigt hatte, Lufthansa Börsen-Chart zeigen , Air Berlin und Easyjet Börsen-Chart zeigen wollten ihre für den neuen Großflughafen erstellten Flugpläne nun auch an den alten Airports Tegel und Schönefeld aufrechterhalten.

Die Passagiere müssten keine Angst vor der Absage von Flügen haben. Lufthansa und Easyjet nannten den späten Eröffnungstermin richtig. "Von Beginn an haben wir darauf hingewiesen, dass eine Eröffnung erst sinnvoll ist, wenn ein sicherer Flugbetrieb möglich ist", sagte ein Lufthansa-Sprecher.

Wenn dies erst im März 2013 gewährleistet sei, sei die Verzögerung zwar bedauerlich, aber dennoch richtig. Auch Easyjet begrüßte die Entscheidung. "Es ist gut, dass unsere Stimme gehört wurde und Berlin die Sicherheit nicht aufs Spiel setzt", erklärte der Billigflieger.

Mehrkosten durch erneute Verschiebung unklar

Die Mehrkosten durch die neuerliche Verschiebung lassen sich nach den Worten von Flughafen-Chef Rainer Schwarz nicht beziffern. Schadenersatzforderungen seien bislang nicht eingegangen, erklärte er. Da in die Verträge Fristen eingebaut seien, könnten zum Beispiel die Gastronomiebetriebe erst bei einer Verschiebung um mehr als 18 Monate Regressansprüche stellen. Er hoffe, bei der nächsten Aufsichtsratssitzung seriöse Zahlen vorlegen zu können.

Zuvor hatte der Aufsichtsrat bis zwei Uhr morgens beraten. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck sagte, die Achillesferse des Projekts sei die technische Gebäudeausrüstung - und zwar bereits seit der Insolvenz der Planungsfirma, wegen der die Flughafeneröffnung schon einmal auf Juni verschoben wurde. Schon damals habe es Planungsmängel gegeben. Diese hätten sich in der Folgezeit angehäuft und überlappt, weil alle Firmen versucht hätten, das Projekt dennoch in der vorgegebenen Frist zu stemmen.

Platzeck sprach von einer ausgesprochen dramatischen und unschönen Situation. Wowereit betonte, der Eröffnungstermin im Juni sei nur "an ein paar Wochen" gescheitert. Manches hätte mit Übergangslösungen geregelt werden können. Provisorien wolle das Bauamt nicht mehr akzeptieren, daher rücke der Betriebsbeginn in weitere Ferne.

Wowereit: Mehr Kontrolle für Flughafengesellschaft

Die Arbeiten an der Brandschutzanlage sollen nach Angaben des Flughafens bis Dezember 2012 dauern. Daran schließen sich Tests und die Prüfung durch das Bauordnungsamt an. Die Flughafengesellschaft zählt weitere Probleme auf, darunter die mangelnde Stabilität einzelner Systeme der Daten- und Sicherheitstechnik, etwa der LAN-Netze und der Türsteuerung.

Eigenes Versagen wiesen die Mitglieder des Aufsichtsrats zurück. "Der Aufsichtsrat war in der Vergangenheit nicht bequem und wird auch in der Zukunft nicht bequem sein", versicherte Wowereit. Der Terminplan sei zwar ambitioniert gewesen. Die Mitglieder des Kontrollgremiums wären aber "nie und nimmer auf die Idee gekommen", dass der 3. Juni nicht zu halten sei.

Hätte der Aufsichtsrat etwas geahnt, hätte er reagiert und nicht auch noch Einladungen verschickt. Er kündigte an, die Flughafengesellschaft werde künftig selbst mehr Verantwortung übernehmen und die Kontrolle verschärfen. Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba, sagte, die Probleme lägen vor allem in der Ablaufkoordination und der internen Kommunikation. Auch das Risikomanagement sei nicht ausreichend gewesen. Die Flughafengesellschaft habe sich auf die Zahlen verlassen, die man ihr vorgelegt habe. Künftig dürften Planung und Überwachung nicht mehr in einer Hand liegen. "So was darf einfach nicht mehr vorkommen", betonte er.

la/reuters

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